Das dritte Corona-Jahr beginnt mit einem Schicksalsschlag: völlig unerwartet stirbt Jochen Stay. Mit einem großen Festival feiern Anfang Juni tausende Menschen in Gorleben das Endlager-Aus und den Atomausstieg. Doch zum Jahresende die Ernüchterung: Die AKW-Abschaltung wird verschoben.
Rund 80 Menschen kommen am Neujahrstag zum traditionellen Neujahrsempfang und anschließendem Rundgang an die Atomanlagen in Gorleben.
10.01.2022
Unter dem Deckmantel von "unwesentlichen" Änderungen seien seit dem Beginn des Umbaus von Schacht KONRAD 2009 bereits 60 Änderungsgenehmigungen ohne Öffentlichkeitsbeteiligung erteilt worden, beklagt die AG Schacht Konrad am 10. Januar. KONRAD werde "Anders gebaut als ursprünglich genehmigt".
Am 15. Januar stirbt völlig unerwartet und mit erst 56 Jahren der Anti-Atom-Aktivist Jochen Stay. Seit 1992 hatte er sich im Wendland gegen Gorleben und die Castortransporte engagiert, organisierte mit X-tausenmal quer Blockaden gegen die Atommülltransporte und gehörte in den Jahren 2000 bis 2001 und von 2003 bis 2004 dem Vorstand der Bürgerinitiative an. Jochen konnte vielen anti-atom-bewegten Menschen Ausdrucks- und Aktionsmöglichkeiten aufzeigen und auf diese Weise entscheidend zum Atomausstieg beitragen.
"So kurz vor unserem großen Ziel, der Abschaltung aller Atomkraftwerke in Deutschland, ist er von uns gegangen. Das schmerzt uns alle sehr – Jochen, Du fehlst. Wir danken Dir aus tiefstem Herzen", schreibt die BI.
Februar
Atomenergie plötzlich "nachhaltig"
03.02.2022
Trotz aller Kritik stuft die EU-Kommission Investitionen in neue Gas- und Atomkraftwerke unter bestimmten Auflagen als "klimafreundlich" ein. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) verurteilt diesen Schritt als "unsinnig und rückwärtsgewandt". Als Anti-Atom-Initiative, die sich seit nunmehr 45 Jahren mit der Atommüllproblematik befasse, wisse man, wie haltlos diese Klassifizierung sei, so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Man könne nur hoffen, dass potentielle Anleger so klug sind, nicht in die Atomkraft zu investieren.
Der BI-Vorsitzende Martin Donat hat umgehend einen Brief an die EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen geschickt. In seinem Schreiben heißt es:
"Als Niedersächsin dürften Ihnen große historische Fehlentscheidungen zur Atomkraft ebenso vertraut sein, wie das Urteil folgender Generationen über derartige fatale Weichenstellungen. Nicht nur die internationale Presse erklärt in diesen Stunden ihr epochales Projekt, den europäischen „Green deal“, für gescheitert. Auch für europäische Umwelt-Initiativen und eine ganze Generation junger Europäer:innen haben Sie mit dem heutigen Beschluss eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft in Europa zu Grabe getragen." Donat legt von der Leyen deren Rücktritt nahe, um Platz zu machen für eine zukunftsfähige europäische Energiepolitik.
04.02.2022
126 Organisationen aus Deutschland - darunter die BI -, Frankreich, Russland und mehreren weiteren europäischen Ländern fordern am 4. Februar von der Bundesregierung in einer Resolution, das geplante Joint Venture zwischen dem französischen Atomkonzern Framatome und einer Tochter des russischen Atomkonzerns Rosatom zur Brennelementeproduktion im emsländischen Lingen zu verhindern. Dazu haben sie einen Brief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Bundesumweltministerin Steffi Lemke geschrieben.
07.02.2022
Lubmin bekommt ein neues Castor-Zwischenlager mit einer Wandstärke von 1,8m. In Gorleben stehen 113 Behälter hinter Mauern, die gerade einmal 0,2 bis 0,5 Meter dick sind.
"Alle Mahnungen, die wir an die zuständige Atomaufsicht, das niedersächsische Umweltministerium in Hannover, gerichtet haben, für mehr Sicherheit zu sorgen, sind bisher verpufft", beklagt die BI in einer Pressemitteilung. Von Seiten der zuständigen Behörde herrsche "Schweigen im Walde".
11.02.2022
Auf scharfe Kritik von Anti-Atomkraft-Initiativen aus NRW und Niedersachsen sowie des Bundesverbands Bürgerinitiativen Umweltschutz und der Friedensnobelpreisträgerin IPPNW stoßen die Pläne des französischen Präsidenten Macron zum Neubau von sechs Atomkraftwerken sowie zur Planung von acht weiteren in Frankreich.
"Frankreich wird seine Klimaziele mit diesem teuren und gefährlichen Irrweg verfehlen, weil es den sofort nötigen massiven Umstieg auf erneuerbare Energien verpasst. Zudem erhöht sich das Risiko eines schweren Atomunfalls durch die geplanten Laufzeitverlängerungen für die alternde und immer störungsanfälligere AKW-Flotte – und die Kosten des Vorhabens sind ohne massive Subventionen durch EU-Gelder nicht zu stemmen für die französische Regierung. Allein für die Instandhaltung der laufenden AKW schätzt der französische Rechnungshof Kosten von 100 Mrd. Euro, dazu kommen die massiven Neubaukosten. Das Geld fehlt dann für die Energiewende," mahnt Kerstin Rudek von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.
Am 16. März "verirrt" sich ein Konvoi mit drei LKW, beladen mit den bekannten blauen Containern auf kurzem Auflieger und Warntafeln vor Radioaktivität in der Lüchower Innenstadt. Nach Informationen der BI handelt es sich tatsächlich um die Anlieferung von schwach- und mittelaktiven Abfällen aus dem stillgelegten AKW Krümmel an das Zwischenlager Gorleben.
BI-Sprecher Wolfgang Ehmke: "Warum lässt die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) derartige Transporte nach Gorleben durch belebte Einkaufsstraßen zu, statt die menschenleeren Umgehungstraßen zu nutzen? Das ist ein schlichtes Gebot der Risikominimierung."
April
12.04.2022
Die Themen "Krieg" und "Krise" stehen im Mittelpunkt der neuen Gorleben Rundschau (GR), die von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) herausgegeben wird. Die Abhängigkeit von russischen Gas-, Kohle- und Uranimporten; die Gefahr, die im Krieg mit Atomanlagen verbunden ist und die Notwendigkeit, in der Krise energiepolitisch forciert umzusteuern – diesen Themen widmet sich die "Osterausgabe" der GR.
"Atomare Anlagen erweisen sich im Krieg als unmittelbare nukleare Bedrohung in Europa, wer angesichts des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine in der Atomkraftnutzung einen Ausweg sieht, landet unweigerlich in der Sackgasse", so BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.
15.04.2022
Die Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) Lüchow-Dannenberg unterstützt den diesjährigen Ostermarsch am Ostermontag in Dolle. In diesem Jahr steht er ganz im Zeichen des Krieges in der Ukraine, das Motto lautet, "Durchbrechen wir gemeinsam den Teufelskreis Klimawandel, Militär und Krieg."
Juni
Gorleben raus - Atomkraft aus
03.06.2022
FotosFilm
Mit einem für das Wendland unvergesslichem Festival ziehen 15.000 Menschen an den Atomanlagen mit der letzten "kulturellen Widerstandspartie" einen Schlussstrich unter 45 Jahre Protest und Widerstand und feiern das Gorleben Aus und den Atomausstieg. Auf drei Bühnen findet rund um die "Beluga", vor dem Zwischenlagertor ab 14.00 Uhr ein buntes Programm unter dem Motto "Gorleben raus - Atomkraft aus" statt. Tausende ziehen mit einer Demo um das Bergwerk. Die musikalischen Highlights von 16 Bands sind Kettcar, Mal Elévé und - als geheimer Special Guest angekündigt - die Madsen. "Du schreibst Geschichte" singen tausende Menschen gemeinsam mit den Jungs, die hier zuhause sind - und sich selbst Jahrzehnte am Protest gegen das Endlager beteiligt haben.
14.06.2022
Das Bundesministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz gibt den offiziellen Startschuss zur Schließung des Bergwerks Gorleben: Das Ministerium hat der BGE "den konkreten Auftrag zur Schließung und Verfüllung der Schachtanlage Gorleben" erteilt, heißt es in der Erklärung des BMUV.
"Das ist ein gewichtiger Meilenstein der Gorleben-Geschichte", schreibt die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI), "auf den offiziellen Beschluss haben wir lange gewartet."
Juli
29.07.2022
Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte am 29. Juli scharf ein Gutachten des TÜV Süd, mit dem der bayerische CSU-Vorsitzende und Ministerpräsident Markus Söder seine Forderung nach Verlängerung der Laufzeit für den Reaktor Isar 2 begründet. Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
Über einhundert Radfahrer:innen beenden die Nordtour der "Anti-Atom-Radtour" in Gorleben. Dem Atomausstieg entgegen heißt das Motto der von .ausgestrahlt organisierten Protestfahrt, die im belgischen Tihange gestartet war und über mehr als 20 Tagesetappen bis nach Gorleben führte. Am 30.7. finden im Rahmen eines "Abschaltfests" Vorträge und Führungen zu 1004 statt.
"Sollte die Bundesregierung auf Laufzeitverlängerungen setzen, gibt es Protest und deutlichen Widerstand durch uns Anti-Atom-Gegner:innen", kündigen die Teilnehmer:innen der Anti-Atom-Radtour mit Blick auf die aktuelle Debatte um den Atomausstieg an.
September
05.09.2022
Für die Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim 2 wird eine Ausnahmeregelung getroffen, die es erlaubt, sie auch nach dem offiziellen Abschalttermin 31.12.2022 noch als "Ersatzreserve" bis längstens Mitte April 2023 vorzuhalten. Diese Entscheidung gibt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bekannt. Ursächlich ist der russische Überfall auf die Ukraine und andere energiepolitische Unsicherheitsfaktoren. Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
10.09.2022
In der Schweiz hat die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (NAGRA) bekannt gegeben, dass sie als Standort des seit langem geplanten Endlagers für hochradioaktiven Müll das Gebiet "Nördlich Lägern" vorschlägt. Dieses 123 Quadratkilometer große Gebiet liegt in den Kantonen Zürich und Aargau und ist teilweise nur wenige hundert Meter von der deutschen Grenze entfernt. Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
Oktober
19.10.2022
Das Bundeskabinett beschließt binnen vier Minuten und ohne Aussprache eine Änderung des Atomgesetzes, wonach alle drei letzten Atomkraftwerke bis zum 15. April 2023 kommerziell betrieben werden dürfen, soweit dies mit den weitgehend erschöpften Brennelementen per "Streckbetrieb" noch möglich ist. Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
November
11.11.2022
Mit den Stimmen der Regierungsparteien billigt der Bundestag den kurzfristigen Weiterbetrieb der drei letzten Reaktoren, wie ihn das Bundeskabinett am 19. Oktober beschlossen hat. Die Atomkraftwerke Isar 2, Neckarwestheim 2 und Emsland dürfen damit noch bis zum 15. April Strom erzeugen, anstatt zum Jahresende stillgelegt zu werden, wie das seit über zehn Jahren im Atomgesetz vorgesehen war. Quelle: ENERGIE-CHRONIK, udo-leuschner.de
Endlagersuche dauert deutlich länger
11.11.2022
Die Bundesgesellschaft für Endlagerung korrigiert offiziell den Zeitplan für die Endlagersuche: ein Standort solle erst im Jahr 2046 benannt sein wird, in einem worst case Szenario sogar erst 2065. Bis 2031 sollte ursprünglich ein Endlagerstandort in Deutschland feststehen, im Jahr 2050 gar der Einlagerungsbetrieb beginnen.
"Es geht nicht um gewollte Verzögerungen, aber wir haben stets den Grundsatz Sorgfalt vor Eile angemahnt. Das Eingeständnis der BGE, dass aus über 90 potentiell geeigneten Teilgebieten ein Standort nicht bis 2031 herauskristallisiert werden kann, war absehbar", kommentiert BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.
25.11.2022
Der Bundesrat billigt längere Laufzeiten für die letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland, Neckarwestheim, Isar II und Emsland, bis zum 15.4.2023.
Rund 100 Menschen der Kampagne "Runterfahren" blockieren das Haupttor des AKW Neckarwestheim. Sie möchten damit ein deutliches Zeichen gegen den Weiterbetrieb der deutschen Atomkraftwerke setzen. In Gorleben findet vor dem Tor des Zwischenlagers eine Soli-Mahnwache statt, an der 25 Aktive teilnehmen.
Dezember
02.12.2022
Mit einer Lesung im Dannenberger Buchladen Hielscher stellt Wolfgang Ehmke sein neues Buch "Das Wunder von Gorleben. Der Beitrag des Wendlands zur Energiewende" vor.
03.12.2022
Am Abend wird das "Denkmal" der Bäuerlichen Notgemeinschaft in Jameln, welches an die 1997 von der Polizei im Zusammenhang mit einer Straßenblockade in Spieltau zerstochenen Treckerreifen erinnerte, abgebaut.
31.12.2022
Eigentlich sollten die drei letzten deutschen Atomkraftwerke am 31.12. für immer abgeschaltet werden. Durch die Energiekrise findet die Politik zu einem Kompromiss: Isar-2, Emsland und Neckarwestheim-2 sollen noch bis maximal Mitte April 2023 weiterlaufen. Atomkraftgegner:innen weisen auf das Risiko schwerer Unfälle und diverser Sicherheitsmängel hin - doch die Appelle verhallen mehr oder weniger ungehört...
Die ganze Geschichte:
1998
Einwendungen gegen die PKA, Castortransport nach Ahaus, Transportestopp nach verstrahlten Behältern, Einstieg in den Atomausstieg und Moratorium im Salzstock.
1999
„Flickschusterei“ um Atomausstieg & AkEnd, Stunkparade nach Berlin und die Ankündigung, dass sich beim nächsten Castor X-tausend Menschen querstellen werden.
2000
Defekte Brücke und unsichere Behälter verhindern Castorlieferung, Atomkonsens „alles Lüge“, denn er sichert den Weiterbetrieb der AKW und Moratorium im Salzstock.
2001
Zwei Atommülltransporte rollen nach Gorleben, einer im März, ein zweiter im November. X-tausend Menschen stellen sich quer und WiderSetzen sich. Der Betonblock von Süschendorf zwingt den Castor zum Rückwärtsgang. Der Widerstand bekommt ein Archiv, die Bundestagsabgeordneten ein Denkmal, die „Gewissensruhe“.
2002
25 Jahre nach der Standortbenennung künftig keine Wasserwerfer mehr gegen den Widerstand, Freispruch im Süschendorf-Prozess, Ver-rück-te Dörfer gegen zwölf Castorbehälter, Rechenfehler und ein Abschlussbericht des AKEnd.
2003
Betonklötze für Betonköpfe, „Fest zum Protest“, der Salzstock wird besetzt, der siebte Castor rollt. Atomausstieg: das AKW Stade geht vom Netz – aber die Endlagersuche bleibt weiter unklar.
2004
Schienensitzen ist keine Straftat, das Einkesseln rechtswidrig, Trash People in Gedelitz, eine Veränderungssperre für den Salzstock zemetiert dessen Sonderstellung. Der Castortransport im Herbst verändert alles: Sebastién wird überfahren und stirbt.
2005
25 Jahre nach der „Republik Freies Wendland“ und 10 Jahre nach dem ersten Castortransport ist die Entsorgung des Atommülls weiter ungelöst. In die Debatte um die Entsorgung des Atommülls und die Zukunft der Atomenergie kommt Bewegung, die Veränderungssperre für den Salzstock wird verlängert. Container brennen, Bauern ziehen sich aus – und im November rollt der nächste Atommüllzug ins Zwischenlager.
2006
Geologe Grimmel warnt vor Erdbeben, die CDU kann sich in Gorleben ein Untertagelabor vorstellen. „Wir sind gekommen um zu bleiben“: Castorproteste im Herbst mit einer eigenen „Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür“ und ein Offenbarungseid von Umweltminister Sigmar Gabriel.
2007
Der Widerstand feiert 30 Jahre Protest, ein Probecastor im Sommer aber keine „heiße Fracht“ im Herbst, stattdessen Kinderkrebsstudie und G8-Gipfel in Heiligendamm.
2008
Endlager-Symposium & Probebohrungen in Hamburg, absaufende Asse-2, 1 Millionen Jahre Endlager-Sicherheit und ein nächster Castortransport im November.
2009
Brisante Enthüllungen: Gorleben wurde aus politischen Motiven zum Endlagerstandort. Seit Jahren wird nicht nur „erkundet“, sondern ein Endlager gebaurt. „Mal so richtig abschalten“ – ein Protest-Treck aus dem Wendland führt zu einer großen Demo gegen AKW-Laufzeitverlängerung nach Berlin. Kein Castortransport, seit Oktober finden jeden Sonntag Spaziergänge um das Bergwerk statt.
2010
Krümmel-Treck, Ketten-Reaktion, Atomkraft-Schluss!, Castor XXL: die Antwort auf die AKW-Laufzeitverlängerung sind die größten Anti-Atom-Demonstrationen, die es in Deutschland je gab.
2011
Bundesweite Anti-Atom-Proteste nach dem Fukushima-GAU, neuer Atomausstieg, gorleben365 und ein „Rekord-Castor“ – der letzte, der nach Gorleben rollte.
2012
Das „Wendejahr“ mit zahlreichen Werksblockaden unter dem Motto „gorleben365“ und der zentralen Forderung zur Endlagersuche auf der „weißen Landkarte“: Der Fleck Gorleben muss weg!
2013
Mit der „Beluga“ stellt Greenpeace in Gorleben ein Mahnmal auf, der Widerstand läuft Matrathon gegen das neue Standortauswahl-Gesetz.
2014
Die „neue Endlagersuche auf der weißen Landkarte“ beginnt – mit einem dicken Fleck: Gorleben. Immer wieder Proteste gegen die „Atommüllkommission“ der Regierung und tausende Unterschriften gegen weitere Castoren.
2015
Tausende feiern im Sommer an den Atomanlagen, Erfolg vor dem Bundesverfassungsgericht: der „Kessel von Harlingen“ war rechtswidrig.
2016
Für 23 Milliarden Euro entledigen sich die Atomkonzerne dem Atommüll, der ab sofort uns allen „gehört“. Zahlreiche Aktionen an den Atomanlagen gegen die Endlagerpläne der Bundesregierung.
2017
Auch 40 Jahre nach der Standortbenennung ist der Widerstand „lebendig“, Betreiber der Atomanlagen wird der Bund, Castoren auf dem Neckar und letzte Befahrung des Gorleben-Schachts.
2018
Neuer Betreiber will Aus für die PKA, Langzeitlagerung von Castoren rückt in den Fokus, Kritik an der Arbeit des „Nationalen Begleitgremiums“.
2019
30 Jahre Kulturelle Landpartie, 40 Jahre nach dem Treck nach Hannover. Abriss der Schutzmauer um das Bergwerk.
2020
Im „Corona-Jahr“ wird Gorleben Ende September völlig unerwartet aus der weiteren Suche nach einem Atommülllager ausgeschlossen. Nach über 40 Jahren Protestgeschichte ist es vorbei. Im Herbst rollt der erste Castor durch Deutschland, der eigentlich nach Gorleben sollte.
2021
10 Jahre nach Fukushima hat die Corona-Pandemie Deutschland fest im Griff, nur wenige öffentliche Aktionen finden statt. Viel Kritik an Online-Veranstaltungen zur Endlagersuche. Im Sommer der vierte Kreuzweg von Gorleben nach Lützerath. Im Herbst das Versprechen: der Salzstock wird verfüllt.
2022
Das dritte Corona-Jahr beginnt mit einem Schicksalsschlag: völlig unerwartet stirbt Jochen Stay. Mit einem großen Festival feiern Anfang Juni tausende Menschen in Gorleben das Endlager-Aus und den Atomausstieg. Doch zum Jahresende die Ernüchterung: Die AKW-Abschaltung wird verschoben.
2023
Doch kein Atomausstieg zum 31.12.2022 – drei Atomkraftwerke laufen über das Jahr hinaus. Der Protest geht weiter.
2024
Die BI fordert einen Transportestopp ins Fasslager und den Neubau der Zwischenlagerhalle aus Sicherheitsgründen, denn die Castoren werden noch lange hier bleiben müssen. Der „Rückbau“ des verhinderten Endlagers wird immer teurer, Ende November beginnt dann endlich das Zuschütten: 400.000to Salz kommen zurück unter die Erde. Ein Meilenstein.
…und davor – Die Anfänge bis 1972
Die Anfänge: Erste Überlegungen, Atommüll in Salz zu lagern – statt ihn in der Tiefsee zu versenken. Gasexplosion im Salzstock Gorleben-Rambow.
1973
1973 werden die Pläne bekannt, bei Langendorf an der Elbe ein Atomkraftwerk zu bauen. In der Debatte um einen Standort für ein Atommüll-Endlager bzw. die Errichtung eines Entsorgungszentrums spielt Gorleben 1973 offiziell keine Rolle.
1974
Die Standortsuche für ein Atommülllager beginnt. Das Credo: So lange die Anlage genug Platz hatte und niemanden störte, war alles gut. Der Standort Gorleben hatte damit nichts zu tun.
1975
Im August 1975 bricht bei Trebel ein großer Waldbrand aus. Die Bundesregierung geht bei der Standortsuche für ein Nukleares Entsorgungszentrum (NEZ) davon aus, dass mehrere Salzstöcke parallel untersucht werden müssten. Gorleben gehört nicht dazu.
1976
(…) In einer zweiten Version der TÜV-Studie wurde handschriftlich der Standort Gorleben ergänzt und als am besten geeignet befunden. (…)
1977
Die Bedenken sind stark, doch Gorleben wird trotzdem zum Standort für den Bau eines gigantischen „Nuklearen Entsorgungszentrums“ benannt. Daraufhin finden erste Großdemonstrationen statt.
1978
Innerhalb von 5 Tagen sammeln Gorleben-Gegner*innen 800.000 DM, um der DWK beim Kauf weiterer Grundstücke über dem Salzstock Gorleben zuvor zukommen.
1979
Im März 1979 findet der legendäre „Treck nach Hannover“ statt. Nach einer Großdemonstration in der Landeshauptstadt verkündet Niedersachsens Ministerpräsident Albrecht das Aus für die WAA-Pläne in Gorleben.
1980
Platzbesetzung der Bohrstelle Gorleben 1004 und Gründung der „Republik Freies Wendland“. Die Räumung nach vier Wochen wird zum größten Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD.
1981
Gorleben-Hearing in Lüchow zum Bau des Zwischenlagers und massiver Protest gegen das AKW Brokdorf. Nach Bohrungen werden die Zweifel an der Eignung des Salzstock Gorleben für ein Endlager „größer, nicht kleiner“. Doch Gegner*innen des Projekts seien „Schreihälse, die bald der Geschichte angehören“, meinen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Oppositionsführer Helmut Kohl.
1982
Baubeginn des Zwischenlagers wird mit Aktionen im Grenzstreifen zur DDR beantwortet, militante Eskalation beim „Tanz auf dem Vulkan“ und immer schlechtere Bohrergebnisse. Plötzlich ist das Wendland mit Dragahn wieder als ein WAA-Standort im Gespräch.
1983
Proteste gegen die Pläne, in Dragahn eine WAA zu errichten. „Gorleben statt Kreta“ und Demos im Grenzgebiet zwischen der DDR und BRD. Das Bundeskabinett unter Helmut Kohl stimmt der „untertägigen Erkundung“ des Salzstocks Gorleben zu.
1984
„Das Vertrauen hat sehr gelitten“: Menschenkette und Wendland-Blockade gegen die WAA-Pläne. Unter erheblichem Protest erreicht ein erster Atommülltransport das Fasslager Gorleben.
1985
Ein erster leerer Probe-Castor erreicht das Wendland. Der erste Kreuzweg führt vom AKW Krümmel nach Gorleben. Nach Anschlägen auf die Bahn werden die Daten von tausenden Gorleben-Gegner*innen von der Polizei gespeichert – und damit eine ganze Szene pauschal kriminalisiert.
1986
Baubeginn im Bergwerk Gorleben. Heftige Auseinandersetzungen um die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf und das AKW Brokdorf. Nach dem GAU von Tschernobyl protestieren zehntausende Menschen gegen die Atomenergie.
1987
Schwerer Unfall in Schacht 1 des Bergwerks in Gorleben. „Transnuklearskandal“ betrifft auch Atommüll im Zwischenlager, Proteste gegen den Bau der PKA.
1988
Kreuzweg der Schöpfung führt von Wackersdorf nach Gorleben, Schmiergeldskandal, „Wir stellen uns quer“ – Proteste gegen den ersten Probecastor ins Zwischenlager.
1989
Das Aus für die WAA Wackersdorf, Castor-Alarm: erster hochradioaktiver Atommülltransport nach Gorleben wird wenige Stunden vor Abfahrt gerichtlich gestoppt.
1990
„Ein Hauch der Freien Republik Wendland wehte durch den Gorlebener Tann…“, als auf dem Bauplatz der PKA Hütten errichtet werden. Aktivist*innen besetzen im Sommer den Förderturm in Gorleben, zum Jahresende Baustopp und SPD-Versprechen.
1991
Proteste gegen die Anlieferung von Mol-Container, PKA-Bauplatzbesetzung, erneuter „Castor-Alarm“ und nächster Baustopp im Erkundungsbergwerk.
1992
Resolution gegen und eine Mehrzweckhalle für Gorleben, Erweiterung des Zwischenlagers und viel Geld für den Landkreis.
1993
Sitzblockaden gegen Atommüll-Lieferungen, „Wege aus der Gorleben-Salzstock-Sackgasse“, Energiekonsens-Gespräche und hohes Bussgeld gegen Turmbesetzer*innen.
1994
Widerstandscamp „Castornix“ und erhebliche Proteste gegen ersten Castortransport, der wegen technischer Mängel dann abgesagt wird. Weiterbau der PKA per Weisung.
1995
Anschläge auf Bahn & Kran, die Aktion „ausrangiert“ will den ersten Castor empfangen, Bundesumweltministerin Merkel macht den absurden Backpulver-Vergleich & der Baustopp im Bergwerk wird aufgehoben.
1996
10 Jahre nach Tschernobyl, „Wir stellen uns quer!“ gegen den zweiten Castor nach Gorleben.
1997
Gewaltsame Räumung für den dritten Castor, Griefahn knickt ein & mehr Geld von der BLG.
1998
Einwendungen gegen die PKA, Castortransport nach Ahaus, Transportestopp nach verstrahlten Behältern, Einstieg in den Atomausstieg und Moratorium im Salzstock.
1999
„Flickschusterei“ um Atomausstieg & AkEnd, Stunkparade nach Berlin und die Ankündigung, dass sich beim nächsten Castor X-tausend Menschen querstellen werden.
2000
Defekte Brücke und unsichere Behälter verhindern Castorlieferung, Atomkonsens „alles Lüge“, denn er sichert den Weiterbetrieb der AKW und Moratorium im Salzstock.
2001
Zwei Atommülltransporte rollen nach Gorleben, einer im März, ein zweiter im November. X-tausend Menschen stellen sich quer und WiderSetzen sich. Der Betonblock von Süschendorf zwingt den Castor zum Rückwärtsgang. Der Widerstand bekommt ein Archiv, die Bundestagsabgeordneten ein Denkmal, die „Gewissensruhe“.
2002
25 Jahre nach der Standortbenennung künftig keine Wasserwerfer mehr gegen den Widerstand, Freispruch im Süschendorf-Prozess, Ver-rück-te Dörfer gegen zwölf Castorbehälter, Rechenfehler und ein Abschlussbericht des AKEnd.
2003
Betonklötze für Betonköpfe, „Fest zum Protest“, der Salzstock wird besetzt, der siebte Castor rollt. Atomausstieg: das AKW Stade geht vom Netz – aber die Endlagersuche bleibt weiter unklar.
2004
Schienensitzen ist keine Straftat, das Einkesseln rechtswidrig, Trash People in Gedelitz, eine Veränderungssperre für den Salzstock zemetiert dessen Sonderstellung. Der Castortransport im Herbst verändert alles: Sebastién wird überfahren und stirbt.
2005
25 Jahre nach der „Republik Freies Wendland“ und 10 Jahre nach dem ersten Castortransport ist die Entsorgung des Atommülls weiter ungelöst. In die Debatte um die Entsorgung des Atommülls und die Zukunft der Atomenergie kommt Bewegung, die Veränderungssperre für den Salzstock wird verlängert. Container brennen, Bauern ziehen sich aus – und im November rollt der nächste Atommüllzug ins Zwischenlager.
2006
Geologe Grimmel warnt vor Erdbeben, die CDU kann sich in Gorleben ein Untertagelabor vorstellen. „Wir sind gekommen um zu bleiben“: Castorproteste im Herbst mit einer eigenen „Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür“ und ein Offenbarungseid von Umweltminister Sigmar Gabriel.
2007
Der Widerstand feiert 30 Jahre Protest, ein Probecastor im Sommer aber keine „heiße Fracht“ im Herbst, stattdessen Kinderkrebsstudie und G8-Gipfel in Heiligendamm.
2008
Endlager-Symposium & Probebohrungen in Hamburg, absaufende Asse-2, 1 Millionen Jahre Endlager-Sicherheit und ein nächster Castortransport im November.
2009
Brisante Enthüllungen: Gorleben wurde aus politischen Motiven zum Endlagerstandort. Seit Jahren wird nicht nur „erkundet“, sondern ein Endlager gebaurt. „Mal so richtig abschalten“ – ein Protest-Treck aus dem Wendland führt zu einer großen Demo gegen AKW-Laufzeitverlängerung nach Berlin. Kein Castortransport, seit Oktober finden jeden Sonntag Spaziergänge um das Bergwerk statt.
2010
Krümmel-Treck, Ketten-Reaktion, Atomkraft-Schluss!, Castor XXL: die Antwort auf die AKW-Laufzeitverlängerung sind die größten Anti-Atom-Demonstrationen, die es in Deutschland je gab.
2011
Bundesweite Anti-Atom-Proteste nach dem Fukushima-GAU, neuer Atomausstieg, gorleben365 und ein „Rekord-Castor“ – der letzte, der nach Gorleben rollte.
2012
Das „Wendejahr“ mit zahlreichen Werksblockaden unter dem Motto „gorleben365“ und der zentralen Forderung zur Endlagersuche auf der „weißen Landkarte“: Der Fleck Gorleben muss weg!
2013
Mit der „Beluga“ stellt Greenpeace in Gorleben ein Mahnmal auf, der Widerstand läuft Matrathon gegen das neue Standortauswahl-Gesetz.
2014
Die „neue Endlagersuche auf der weißen Landkarte“ beginnt – mit einem dicken Fleck: Gorleben. Immer wieder Proteste gegen die „Atommüllkommission“ der Regierung und tausende Unterschriften gegen weitere Castoren.
2015
Tausende feiern im Sommer an den Atomanlagen, Erfolg vor dem Bundesverfassungsgericht: der „Kessel von Harlingen“ war rechtswidrig.
2016
Für 23 Milliarden Euro entledigen sich die Atomkonzerne dem Atommüll, der ab sofort uns allen „gehört“. Zahlreiche Aktionen an den Atomanlagen gegen die Endlagerpläne der Bundesregierung.
2017
Auch 40 Jahre nach der Standortbenennung ist der Widerstand „lebendig“, Betreiber der Atomanlagen wird der Bund, Castoren auf dem Neckar und letzte Befahrung des Gorleben-Schachts.
2018
Neuer Betreiber will Aus für die PKA, Langzeitlagerung von Castoren rückt in den Fokus, Kritik an der Arbeit des „Nationalen Begleitgremiums“.
2019
30 Jahre Kulturelle Landpartie, 40 Jahre nach dem Treck nach Hannover. Abriss der Schutzmauer um das Bergwerk.
2020
Im „Corona-Jahr“ wird Gorleben Ende September völlig unerwartet aus der weiteren Suche nach einem Atommülllager ausgeschlossen. Nach über 40 Jahren Protestgeschichte ist es vorbei. Im Herbst rollt der erste Castor durch Deutschland, der eigentlich nach Gorleben sollte.
2021
10 Jahre nach Fukushima hat die Corona-Pandemie Deutschland fest im Griff, nur wenige öffentliche Aktionen finden statt. Viel Kritik an Online-Veranstaltungen zur Endlagersuche. Im Sommer der vierte Kreuzweg von Gorleben nach Lützerath. Im Herbst das Versprechen: der Salzstock wird verfüllt.
2022
Das dritte Corona-Jahr beginnt mit einem Schicksalsschlag: völlig unerwartet stirbt Jochen Stay. Mit einem großen Festival feiern Anfang Juni tausende Menschen in Gorleben das Endlager-Aus und den Atomausstieg. Doch zum Jahresende die Ernüchterung: Die AKW-Abschaltung wird verschoben.
2023
Doch kein Atomausstieg zum 31.12.2022 – drei Atomkraftwerke laufen über das Jahr hinaus. Der Protest geht weiter.
2024
Die BI fordert einen Transportestopp ins Fasslager und den Neubau der Zwischenlagerhalle aus Sicherheitsgründen, denn die Castoren werden noch lange hier bleiben müssen. Der „Rückbau“ des verhinderten Endlagers wird immer teurer, Ende November beginnt dann endlich das Zuschütten: 400.000to Salz kommen zurück unter die Erde. Ein Meilenstein.
…und davor – Die Anfänge bis 1972
Die Anfänge: Erste Überlegungen, Atommüll in Salz zu lagern – statt ihn in der Tiefsee zu versenken. Gasexplosion im Salzstock Gorleben-Rambow.
1973
1973 werden die Pläne bekannt, bei Langendorf an der Elbe ein Atomkraftwerk zu bauen. In der Debatte um einen Standort für ein Atommüll-Endlager bzw. die Errichtung eines Entsorgungszentrums spielt Gorleben 1973 offiziell keine Rolle.
1974
Die Standortsuche für ein Atommülllager beginnt. Das Credo: So lange die Anlage genug Platz hatte und niemanden störte, war alles gut. Der Standort Gorleben hatte damit nichts zu tun.
1975
Im August 1975 bricht bei Trebel ein großer Waldbrand aus. Die Bundesregierung geht bei der Standortsuche für ein Nukleares Entsorgungszentrum (NEZ) davon aus, dass mehrere Salzstöcke parallel untersucht werden müssten. Gorleben gehört nicht dazu.
1976
(…) In einer zweiten Version der TÜV-Studie wurde handschriftlich der Standort Gorleben ergänzt und als am besten geeignet befunden. (…)
1977
Die Bedenken sind stark, doch Gorleben wird trotzdem zum Standort für den Bau eines gigantischen „Nuklearen Entsorgungszentrums“ benannt. Daraufhin finden erste Großdemonstrationen statt.
1978
Innerhalb von 5 Tagen sammeln Gorleben-Gegner*innen 800.000 DM, um der DWK beim Kauf weiterer Grundstücke über dem Salzstock Gorleben zuvor zukommen.
1979
Im März 1979 findet der legendäre „Treck nach Hannover“ statt. Nach einer Großdemonstration in der Landeshauptstadt verkündet Niedersachsens Ministerpräsident Albrecht das Aus für die WAA-Pläne in Gorleben.
1980
Platzbesetzung der Bohrstelle Gorleben 1004 und Gründung der „Republik Freies Wendland“. Die Räumung nach vier Wochen wird zum größten Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD.
1981
Gorleben-Hearing in Lüchow zum Bau des Zwischenlagers und massiver Protest gegen das AKW Brokdorf. Nach Bohrungen werden die Zweifel an der Eignung des Salzstock Gorleben für ein Endlager „größer, nicht kleiner“. Doch Gegner*innen des Projekts seien „Schreihälse, die bald der Geschichte angehören“, meinen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Oppositionsführer Helmut Kohl.
1982
Baubeginn des Zwischenlagers wird mit Aktionen im Grenzstreifen zur DDR beantwortet, militante Eskalation beim „Tanz auf dem Vulkan“ und immer schlechtere Bohrergebnisse. Plötzlich ist das Wendland mit Dragahn wieder als ein WAA-Standort im Gespräch.
1983
Proteste gegen die Pläne, in Dragahn eine WAA zu errichten. „Gorleben statt Kreta“ und Demos im Grenzgebiet zwischen der DDR und BRD. Das Bundeskabinett unter Helmut Kohl stimmt der „untertägigen Erkundung“ des Salzstocks Gorleben zu.
1984
„Das Vertrauen hat sehr gelitten“: Menschenkette und Wendland-Blockade gegen die WAA-Pläne. Unter erheblichem Protest erreicht ein erster Atommülltransport das Fasslager Gorleben.
1985
Ein erster leerer Probe-Castor erreicht das Wendland. Der erste Kreuzweg führt vom AKW Krümmel nach Gorleben. Nach Anschlägen auf die Bahn werden die Daten von tausenden Gorleben-Gegner*innen von der Polizei gespeichert – und damit eine ganze Szene pauschal kriminalisiert.
1986
Baubeginn im Bergwerk Gorleben. Heftige Auseinandersetzungen um die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf und das AKW Brokdorf. Nach dem GAU von Tschernobyl protestieren zehntausende Menschen gegen die Atomenergie.
1987
Schwerer Unfall in Schacht 1 des Bergwerks in Gorleben. „Transnuklearskandal“ betrifft auch Atommüll im Zwischenlager, Proteste gegen den Bau der PKA.
1988
Kreuzweg der Schöpfung führt von Wackersdorf nach Gorleben, Schmiergeldskandal, „Wir stellen uns quer“ – Proteste gegen den ersten Probecastor ins Zwischenlager.
1989
Das Aus für die WAA Wackersdorf, Castor-Alarm: erster hochradioaktiver Atommülltransport nach Gorleben wird wenige Stunden vor Abfahrt gerichtlich gestoppt.
1990
„Ein Hauch der Freien Republik Wendland wehte durch den Gorlebener Tann…“, als auf dem Bauplatz der PKA Hütten errichtet werden. Aktivist*innen besetzen im Sommer den Förderturm in Gorleben, zum Jahresende Baustopp und SPD-Versprechen.
1991
Proteste gegen die Anlieferung von Mol-Container, PKA-Bauplatzbesetzung, erneuter „Castor-Alarm“ und nächster Baustopp im Erkundungsbergwerk.
1992
Resolution gegen und eine Mehrzweckhalle für Gorleben, Erweiterung des Zwischenlagers und viel Geld für den Landkreis.
1993
Sitzblockaden gegen Atommüll-Lieferungen, „Wege aus der Gorleben-Salzstock-Sackgasse“, Energiekonsens-Gespräche und hohes Bussgeld gegen Turmbesetzer*innen.
1994
Widerstandscamp „Castornix“ und erhebliche Proteste gegen ersten Castortransport, der wegen technischer Mängel dann abgesagt wird. Weiterbau der PKA per Weisung.
1995
Anschläge auf Bahn & Kran, die Aktion „ausrangiert“ will den ersten Castor empfangen, Bundesumweltministerin Merkel macht den absurden Backpulver-Vergleich & der Baustopp im Bergwerk wird aufgehoben.
1996
10 Jahre nach Tschernobyl, „Wir stellen uns quer!“ gegen den zweiten Castor nach Gorleben.
1997
Gewaltsame Räumung für den dritten Castor, Griefahn knickt ein & mehr Geld von der BLG.
1998
Einwendungen gegen die PKA, Castortransport nach Ahaus, Transportestopp nach verstrahlten Behältern, Einstieg in den Atomausstieg und Moratorium im Salzstock.
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