Gorleben-Hearing in Lüchow zum Bau des Zwischenlagers und massiver Protest gegen das AKW Brokdorf. Nach Bohrungen werden die Zweifel an der Eignung des Salzstock Gorleben für ein Endlager "größer, nicht kleiner". Doch Gegner*innen des Projekts seien "Schreihälse, die bald der Geschichte angehören", meinen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Oppositionsführer Helmut Kohl.
Januar
05.01.1981
Das Frankfurter Landgericht verurteilt den Presse- und "Bewegungs-" Fotografen Günter Zint zu einer Geldstrafe von 300 Mark - ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung. Grenzschutzbeamte hatten Zint angezeigt, weil sie durch Veröffentlichung von Fotos ihr "Recht am eigenen Bild" verletzt fühlten. Adolf Panske, Leiter des Dokumentations- und Beweissicherungstrupps einer in Gorleben eingesetzten BGS-Einheit, darf nach dem Urteil nur noch mit einem "Brett vor dem Kopf" abgebildet werden. Quelle: Lieber aktiv als radioaktiv II, LAIKA-Verlag
22.01.1981
Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg genehmigt am 22. Januar den Weiterbau am Atomkraftwerk Brokdorf nur, weil es die Planungen der Bundesregierung für die Entsorgung des Atommülls "noch für ausreichend" hält und keine Anhaltspunkte dafür sieht, daß die "Realisierbarkeit" eines Endlagers in Gorleben "pessimistischer zu beurteilen" sei als in früheren Jahren. Nach den Beschlüssen des SPD-Parteitages von 1979 darf der Betrieb neuer Atomkraftwerke nur dann genehmigt werden, wenn "mit der Einrichtung eines sicheren Endlagers begonnen" oder die Entsorgung "durch verbindliche Verträge sichergestellt worden ist". Quelle: Spiegel 24/1981
Am 28. und 29. Januar findet die dreitägige Anhörung der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) zu den geplanten Zwischenlagern in Gorleben im Gildehaus Lüchow statt. Dort soll ein Fasslager für schwach- und mittelaktiven Abfall sowie ein Brennelement-Zwischenlager errichtet werden.
Gleich am ersten Tag üben Atomkraftgegner:innen heftige Kritik an der Leitung des Hearings. Dem Abteilungsleiter der PTB, Dr. Werner Heintz, wird vorgeworfen, an dem so genannten "Intercity-Zug-Gespräch" beteiligt gewesen zu sein: Ein Hamburger Geologieprofessor wurde nach dem Bonner Gorleben-Hearing im Sommer 1980 in einem Intercity-Zug unfreiwillig Zeuge eines Gesprächs, bei dem Vertreter der PTB, des niedersächsischen Sozialministeriums und der "Deutschen Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen" (DWK) über Wege diskutierten, wie unter Umgehung von Rechtsvorschriften ein Probeschacht im Gorlebener Salzstock bereits so breit angelegt werden könnte, dass er später als Zugang zu einem Endlager dienen könne. Heintz gab seine Teilnahme an diesem Gespräch zu. Neben den vorgetragenen Argumenten konnten sich die Sachverständigen im Gildehaus auch vor Aktionen, Konfetti und kleinen, krabbelnden Kindern, die ihnen auf den Schoß rückten, kaum retten.
Am zweiten Tag verließen die rund 400 Atomkraftgegner:innen geschlossen die Veranstaltung. Sie räumten Tische und Stühle weg, reinigten den Fußboden und gingen nach Hause. Im Saal zurück blieb ein kleiner Kreis von Befürwortern und Sachverständigen mit 244 schriftlichen Einwendungen gegen das geplante Zwischenlager.
Eine Anhörung zum Atommüllzwischenlager (Fasslager und Brennelement Zwischenlager) wird im Gildehaus Lüchow durchgeführt. Ich war als schnell ernannte „Experte“ dabei, da ich keine Einwendungen erhoben hatte. Es gab heftige Wortgefechte, spontane Aktionen, Särge wurden reingeschleppt. Ein gewisser Spaß mit Ironie schwang da immer mit. Einige hielten bei einigen Äußerungen ein Din A 4 Blatt mit Buchstaben HaHa hoch. Atomtransporte waren ein Gesprächsthema. Die Stimmung bei uns war gut. Wir zogen später geschlossen aus. Bei einem Atomkraftgegner im Ort Gorleben Fernsehnachrichten geguckt, später bei einem sehr bekannten Rechtsanwalt direkt an der Elbe übernachtet. Ein Glatteisweg. Das Auto schlittert mehr als das es normal fuhr. Am nächsten Tag trampten wir wieder zurück. Am längsten fuhren wir mit einem kleinen alten weinroten Mercedes langsam über die Autobahn, die Innenausstattung total alternativ ausgekleidet. Leichter Weihrauch lag in der Luft. Es war kuschelig warm, so dass ich dort geschlafen habe. Am liebsten wäre ich nie wieder ausgestiegen. An der Wetterau mussten wir dann raus. Zurück nach Frankfurt am Main. (Dieter Kaufmann, Frankfurt)
Am 28. Februar kommt es nach dem Gerichtsbeschluss zum Weiterbau des AKW Brokdorf zu der bis dahin größten Anti-Atom-Demonstrationen, bei der von insgesamt an die 100.000 Teilnehmer:innen trotz des Demoverbots und Polizeisperren über 30.000 den Bauplatz des Atomkraftwerks in der Wilstermarsch erreichen. An den Bauzäunen kommt es zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Ein gewaltiges Polzeiaufgebot verteidigt den Bauplazt, Sonderkommandos überfallen, verprügeln und verhaften die abziehenden Demontrant:innen. Es gibt viele Verletzte und Verhaftete.
In dem bis heute wegweisenden "Brokdorf-Urteil" kommt das Bundesverfassungsgericht 1985 zu dem Beschluss, dass das Verbot der Demonstration unzulässig war.
März
Im März sitzen ausnahmsweise zwei Polizisten auf der Anklagebank des Landgerichts Lüneburg. Die Anklage wirft ihnen Bruch der Vertrauenspflicht und Verletzung des Dienstgeheimnisses vor, weil sie in einem Interview Informationen über den Polizeieinsatz gegen die "Republik Freies Wendland" ausgeplaudert hatten. Oberstaatsanwalt von Lücken: "Durch den Geheimnisbruch wurde das Vertrauensverhältnis innerhalb der Polizei erheblich gestört." Quelle: Lieber aktiv als radioaktiv II, LAIKA-Verlag
April
04.04.1981
Im April besuchen Bundeskanzler Helmut Schmidt (Besuch am 4. April im Wendlandhof Lübeln) und Oppositionsführer Helmut Kohl unter größter Geheimhaltung das Wendland und geben den Kommunalpolitikern, die für das Atomprojekt sind, Rückendeckung. Sie sollten sich "nicht aus dem Anzug pusten" lassen. Die Gegner:innen des Gorleben-Projekts seien "Schreihälse", sie würden bald der Geschichte angehören. Der weitere Ausbau der Atomkraft erscheint Schmidt "volkswirtschaftlich vor allem geboten, um die Strompreise stabil zu halten sowie die Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern Kohle und Öl zu verringern".
Die hiesigen Kommunalpolitiker lobt Schmidt in der Gorleben-Frage als „knorrig und standhaft“.
10.04.1981
Die Gorleben-Frauen beginnen am 10. April eine Dauer-Mahnwache vor dem Gartower Rathaus gegen die Pläne, in Gorleben ein Zwischenlager zu errichten. Quelle: Lieber aktiv als radioaktiv II, LAIKA-Verlag
Mai
Eignung des Bergwerks: Die Zweifel werden größer, nicht kleiner
Mit den Bohrungen Gorleben 1004 und Gorleben 1005 ist das Tiefbohrprogramm für die Standortuntersuchung im Mai vorerst abgeschlossen. Auf den Bohrplätzen wurden insgesamt 125 Probebohrungen gemacht. Nach Meinung von Experten der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) sei es aber anhand der Erkenntnisse "unmöglich festzustellen, ob der Gorlebener Salzstock für den Atommüll geeignet" ist. Laugeneinbrüche oder unterirdische Risse ließen sich nicht ausschließen. Fundierte Aussagen seien frühestens "um 1993" möglich.
"Die Zweifel in Gorleben werden größer, nicht kleiner", so Harald B. Schäfer (SPD), damals designierter Vorsitzender der Bonner Kernenergie-Enquetekommission.
Am 26. Mai stimmt die Lokalpolitik (Kreistag, Samtgemeinde Gartow fast einstimmig und die Gemeinde Gorleben) dem Bau eines Atommüll-Zwischenlagers in Gorleben zu. "Die Mission der Gemeinde ist damit erfüllt", atmet Willi Kantelberg, Bürgermeister von Gorleben, nach der turbulenten Sitzung auf, auf der er und seine neun Ratsherren den Bebauungsplan für das Gelände des Zwischenlagers verabschiedeten. Zwei Wochen zuvor beschloss bereits der Samtgemeinderat Gartow eine Änderung des Flächennutzungsplans. Dabei protestieren rund 150 Atomgegner*innen während der Ratssitzung, Dokumente zum Zwischenlager wurden entwendet. Mehr als 1.500 Einwendungen hatte es gegen das Projekt gegeben.
Juli
Mitte des Jahres kommt der Film "Der Traum von einer Sache" in die Kinos. Roswitha Ziegler, Niels-Christian Bolbrinker und Bernd Westphal von der "Wendländischen Filmkooperative" zeigen das Leben im Hüttendorf 1004 und die Räumung. Eine traurige Geschichte, aber kein trauriger Film.
03.07.1981
Bereits 1981 hatten die Bundes- und die niedersächsische Landesregierung "erhebliche Zweifel" an der Eignung Gorlebens als nukleares Endlager, berichtet die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg 2010. Das gehe aus einem Vermerk des zu jener Zeit für Niedersachsen federführenden Sozialministeriums vom 3. Juli hervor.
"Sowohl die hydrogeologischen Gegebenheiten im Deckgebirge als auch der innere Aufbau des Salzstocks bestätigen die bereits früher geäußerten Zweifel an der Eignung des Salzstocks, zumindest für die Endlagerung wärmeentwickelnder (hochaktiver) Abfälle".
"Entgegen der Pressemitteilung des BMI und es BMFT vom 5.6.1981 werden bereits alternative Standorte diskutiert. Dem Vernehmen nach erwägt das BMI, gegen Ende des Jahres 1981 mit dem Land Kontakt aufzunehmen, um einen neuen Standort auszuwählen", heißt es in dem Bericht, der an den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht adressiert ist.
September
07.09.1981
Für die Kommunalwahlen in Lüchow-Dannenberg am 7. September positionieren sich die Parteien erstmals in der Gorleben-Frage:
- ein Ja bei der CDU,
- ein Ja bis Jein bei der SPD,
- ein Nein bei der neuen UWG.
Das Wahlergebnis: CDU 52,6%, SPD 23,5%, UWG 18%.
12.09.1981
Am 12. September lehnt es der niedersächsische Ministerpräsident Albrecht ab, parallel zu der Untersuchung des Salzstockes Gorleben auf seine Eignung als Endlager für Atommüll weitere Salzstöcke mit dem gleichen Ziel überprüfen zu lassen. Untersuchungen anderer Standorte hätten "überhaupt keine Eile". "Wir brauchen jetzt noch kein Endlager", sagte er. Man brauche lediglich die Vorbereitungen dazu.
Mitte September
Die Beseitigung des Atommülls aus deutschen Atomkraftwerken ist nach Auffassung der Bundesregierung bis 1990 gewährleistet, wie aus ihrem Bericht über die Entsorgungslage für den Bundestag hervorgeht, den die Abgeordneten des Innenausschusses Mitte September erhalten. Für die Endlagerung von radioaktiven Abfällen wird der Gorlebener Salzstock als "geeignet" beurteilt. "Es kann erwartet werden, dass seine Eignung für die Endlagerung durch die fortschreitende Erkundung bestätigt werden kann", stellt die Regierung fest. Das bisherige Standorterkundungsergebnis mache es nicht nötig, an anderen Standorten mit Alternativbohrungen zu beginnen. Quelle: Frankfurter Rundschau, 21.10.1981
Etwa 500 Atomgegner*innen nehmen am 19. September an einer Sternfahrt teil und treffen sich am Trafo-Häuschen gegenüber 1003 zur Abschlußkundgebung. Sie waren überwiegend mit dem Fahrrad in Dannenberg und Wustrow, den beiden möglichen Verladebahnhöfen für die Brennelementbehälter gestartet. Die Sternfahrt führt über die geplanten Tranportstrecken des Atommülls. Quelle: Gorleben aktuell, Nov.1981
26.09.1981
Am 26. September finden ein bundesweiter Aktionstag statt, u.a. in Lüneburg "rollt Atommüll". Quelle: Gorleben aktuell, Nov.1981
Im November erscheint die "Atommüllzeitung", ehemals "Gorleben aktuell", Nr. 17, also in fortlaufender Zählung, herausgegeben von der "Arbeitsgruppe Wiederaufbereitungsanlage Lüneburg".
Zur neuen Zeitung heißt es u. a.: "Die Proportionen im neuen Emblem unserer Zeitung mögen etwas aus den Fugen geraten sein … Mit der allmählichen, nun auch im Emblem nachvollzogenen Ausweitung der Gorleben Aktuell Thematik versuchen wir einmal der Tatsache Rechnung zu tragen, dass das Entsorgungskonzept immer mehr dezentralisiert wird, was erforderlich macht, die alleinige Fixierung auf Gorleben zu überwinden. Auch zeigen alle Erfahrungen von BI-Konferenzen, dass es gerade in der Atommüllfrage nötig ist, genauere Kenntnisse sowohl innerhalb der Anti-AKW-Bewegung als auch in der Masse der Bevölkerung zu vermitteln. ln diesem Sinne haben wir in der letzten Zeit mit der Gruppe Ökologie zusammengearbeitet. Wir würden uns freuen über eine engere Kooperation auch mit anderen Gruppen, die sich schwerpunktmäßig mit der Atommüllfrage befassen, z.B. dem Umweltbüro Kassel, dem AKU Darmstadt, der ASSE-Gruppe, der BI Salzgitter, "Spezialisten" im Landkreis Lüchow-Dannenberg etc. Diese Zusammenarbeit könnte sich auf einen kontinuierlichen Informationsaustausch, auf Veröffentlichung von Beiträgen in dieser Zeitung, Vereinbarungen bezüglich des Vertriebes u. ä. beziehen.
Quelle: Atommüllzeitung Nr. 17
23.11.1981
Knapp 150 AKW-Gegner:innen treffen sich auf dem Gelände der Bohrstelle 1003 um Bäume zu pflanzen.
"Es ist offensichtlich dass staatliche Organisation das Gesetz brechen. Falls die DWK nicht mit Pflanzungen beginnt, wird die BI solche Aktionen fortsetzen", so Vorsitzende Marianne Fritzen.
Dezember
Nicht nur Niedersachsen, sondern auch der Bund wollten in den 80er Jahren die Asse als Atommülldeponie reaktivieren. Im Dezember verweist die sozial-liberale Bundesregierung unter Kanzler Helmut Schmidt (SPD) auf "Bemühungen des Bundes um die Nutzung des ehemaligen Salzbergwerks Asse II als Endlager für schwachradioaktive Abfälle". Die zu erwartenden Mengen an atomarem Müll könnten nicht allein in dem vorgesehenen Endlager Gorleben gelagert werden, deshalb sei es "dringend erforderlich, für schwachradioaktive Abfälle möglichst noch in den 80er Jahren wenigstens eines der geplanten Endlager Konrad oder Asse in Betrieb zu nehmen".
Die ganze Geschichte:
1998
Einwendungen gegen die PKA, Castortransport nach Ahaus, Transportestopp nach verstrahlten Behältern, Einstieg in den Atomausstieg und Moratorium im Salzstock.
1999
„Flickschusterei“ um Atomausstieg & AkEnd, Stunkparade nach Berlin und die Ankündigung, dass sich beim nächsten Castor X-tausend Menschen querstellen werden.
2000
Defekte Brücke und unsichere Behälter verhindern Castorlieferung, Atomkonsens „alles Lüge“, denn er sichert den Weiterbetrieb der AKW und Moratorium im Salzstock.
2001
Zwei Atommülltransporte rollen nach Gorleben, einer im März, ein zweiter im November. X-tausend Menschen stellen sich quer und WiderSetzen sich. Der Betonblock von Süschendorf zwingt den Castor zum Rückwärtsgang. Der Widerstand bekommt ein Archiv, die Bundestagsabgeordneten ein Denkmal, die „Gewissensruhe“.
2002
25 Jahre nach der Standortbenennung künftig keine Wasserwerfer mehr gegen den Widerstand, Freispruch im Süschendorf-Prozess, Ver-rück-te Dörfer gegen zwölf Castorbehälter, Rechenfehler und ein Abschlussbericht des AKEnd.
2003
Betonklötze für Betonköpfe, „Fest zum Protest“, der Salzstock wird besetzt, der siebte Castor rollt. Atomausstieg: das AKW Stade geht vom Netz – aber die Endlagersuche bleibt weiter unklar.
2004
Schienensitzen ist keine Straftat, das Einkesseln rechtswidrig, Trash People in Gedelitz, eine Veränderungssperre für den Salzstock zemetiert dessen Sonderstellung. Der Castortransport im Herbst verändert alles: Sebastién wird überfahren und stirbt.
2005
25 Jahre nach der „Republik Freies Wendland“ und 10 Jahre nach dem ersten Castortransport ist die Entsorgung des Atommülls weiter ungelöst. In die Debatte um die Entsorgung des Atommülls und die Zukunft der Atomenergie kommt Bewegung, die Veränderungssperre für den Salzstock wird verlängert. Container brennen, Bauern ziehen sich aus – und im November rollt der nächste Atommüllzug ins Zwischenlager.
2006
Geologe Grimmel warnt vor Erdbeben, die CDU kann sich in Gorleben ein Untertagelabor vorstellen. „Wir sind gekommen um zu bleiben“: Castorproteste im Herbst mit einer eigenen „Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür“ und ein Offenbarungseid von Umweltminister Sigmar Gabriel.
2007
Der Widerstand feiert 30 Jahre Protest, ein Probecastor im Sommer aber keine „heiße Fracht“ im Herbst, stattdessen Kinderkrebsstudie und G8-Gipfel in Heiligendamm.
2008
Endlager-Symposium & Probebohrungen in Hamburg, absaufende Asse-2, 1 Millionen Jahre Endlager-Sicherheit und ein nächster Castortransport im November.
2009
Brisante Enthüllungen: Gorleben wurde aus politischen Motiven zum Endlagerstandort. Seit Jahren wird nicht nur „erkundet“, sondern ein Endlager gebaurt. „Mal so richtig abschalten“ – ein Protest-Treck aus dem Wendland führt zu einer großen Demo gegen AKW-Laufzeitverlängerung nach Berlin. Kein Castortransport, seit Oktober finden jeden Sonntag Spaziergänge um das Bergwerk statt.
2010
Krümmel-Treck, Ketten-Reaktion, Atomkraft-Schluss!, Castor XXL: die Antwort auf die AKW-Laufzeitverlängerung sind die größten Anti-Atom-Demonstrationen, die es in Deutschland je gab.
2011
Bundesweite Anti-Atom-Proteste nach dem Fukushima-GAU, neuer Atomausstieg, gorleben365 und ein „Rekord-Castor“ – der letzte, der nach Gorleben rollte.
2012
Das „Wendejahr“ mit zahlreichen Werksblockaden unter dem Motto „gorleben365“ und der zentralen Forderung zur Endlagersuche auf der „weißen Landkarte“: Der Fleck Gorleben muss weg!
2013
Mit der „Beluga“ stellt Greenpeace in Gorleben ein Mahnmal auf, der Widerstand läuft Matrathon gegen das neue Standortauswahl-Gesetz.
2014
Die „neue Endlagersuche auf der weißen Landkarte“ beginnt – mit einem dicken Fleck: Gorleben. Immer wieder Proteste gegen die „Atommüllkommission“ der Regierung und tausende Unterschriften gegen weitere Castoren.
2015
Tausende feiern im Sommer an den Atomanlagen, Erfolg vor dem Bundesverfassungsgericht: der „Kessel von Harlingen“ war rechtswidrig.
2016
Für 23 Milliarden Euro entledigen sich die Atomkonzerne dem Atommüll, der ab sofort uns allen „gehört“. Zahlreiche Aktionen an den Atomanlagen gegen die Endlagerpläne der Bundesregierung.
2017
Auch 40 Jahre nach der Standortbenennung ist der Widerstand „lebendig“, Betreiber der Atomanlagen wird der Bund, Castoren auf dem Neckar und letzte Befahrung des Gorleben-Schachts.
2018
Neuer Betreiber will Aus für die PKA, Langzeitlagerung von Castoren rückt in den Fokus, Kritik an der Arbeit des „Nationalen Begleitgremiums“.
2019
30 Jahre Kulturelle Landpartie, 40 Jahre nach dem Treck nach Hannover. Abriss der Schutzmauer um das Bergwerk.
2020
Im „Corona-Jahr“ wird Gorleben Ende September völlig unerwartet aus der weiteren Suche nach einem Atommülllager ausgeschlossen. Nach über 40 Jahren Protestgeschichte ist es vorbei. Im Herbst rollt der erste Castor durch Deutschland, der eigentlich nach Gorleben sollte.
2021
10 Jahre nach Fukushima hat die Corona-Pandemie Deutschland fest im Griff, nur wenige öffentliche Aktionen finden statt. Viel Kritik an Online-Veranstaltungen zur Endlagersuche. Im Sommer der vierte Kreuzweg von Gorleben nach Lützerath. Im Herbst das Versprechen: der Salzstock wird verfüllt.
2022
Das dritte Corona-Jahr beginnt mit einem Schicksalsschlag: völlig unerwartet stirbt Jochen Stay. Mit einem großen Festival feiern Anfang Juni tausende Menschen in Gorleben das Endlager-Aus und den Atomausstieg. Doch zum Jahresende die Ernüchterung: Die AKW-Abschaltung wird verschoben.
2023
Doch kein Atomausstieg zum 31.12.2022 – drei Atomkraftwerke laufen über das Jahr hinaus. Der Protest geht weiter.
2024
Die BI fordert einen Transportestopp ins Fasslager und den Neubau der Zwischenlagerhalle aus Sicherheitsgründen, denn die Castoren werden noch lange hier bleiben müssen. Der „Rückbau“ des verhinderten Endlagers wird immer teurer, Ende November beginnt dann endlich das Zuschütten: 400.000to Salz kommen zurück unter die Erde. Ein Meilenstein.
…und davor – Die Anfänge bis 1972
Die Anfänge: Erste Überlegungen, Atommüll in Salz zu lagern – statt ihn in der Tiefsee zu versenken. Gasexplosion im Salzstock Gorleben-Rambow.
1973
1973 werden die Pläne bekannt, bei Langendorf an der Elbe ein Atomkraftwerk zu bauen. In der Debatte um einen Standort für ein Atommüll-Endlager bzw. die Errichtung eines Entsorgungszentrums spielt Gorleben 1973 offiziell keine Rolle.
1974
Die Standortsuche für ein Atommülllager beginnt. Das Credo: So lange die Anlage genug Platz hatte und niemanden störte, war alles gut. Der Standort Gorleben hatte damit nichts zu tun.
1975
Im August 1975 bricht bei Trebel ein großer Waldbrand aus. Die Bundesregierung geht bei der Standortsuche für ein Nukleares Entsorgungszentrum (NEZ) davon aus, dass mehrere Salzstöcke parallel untersucht werden müssten. Gorleben gehört nicht dazu.
1976
(…) In einer zweiten Version der TÜV-Studie wurde handschriftlich der Standort Gorleben ergänzt und als am besten geeignet befunden. (…)
1977
Die Bedenken sind stark, doch Gorleben wird trotzdem zum Standort für den Bau eines gigantischen „Nuklearen Entsorgungszentrums“ benannt. Daraufhin finden erste Großdemonstrationen statt.
1978
Innerhalb von 5 Tagen sammeln Gorleben-Gegner*innen 800.000 DM, um der DWK beim Kauf weiterer Grundstücke über dem Salzstock Gorleben zuvor zukommen.
1979
Im März 1979 findet der legendäre „Treck nach Hannover“ statt. Nach einer Großdemonstration in der Landeshauptstadt verkündet Niedersachsens Ministerpräsident Albrecht das Aus für die WAA-Pläne in Gorleben.
1980
Platzbesetzung der Bohrstelle Gorleben 1004 und Gründung der „Republik Freies Wendland“. Die Räumung nach vier Wochen wird zum größten Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD.
1981
Gorleben-Hearing in Lüchow zum Bau des Zwischenlagers und massiver Protest gegen das AKW Brokdorf. Nach Bohrungen werden die Zweifel an der Eignung des Salzstock Gorleben für ein Endlager „größer, nicht kleiner“. Doch Gegner*innen des Projekts seien „Schreihälse, die bald der Geschichte angehören“, meinen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Oppositionsführer Helmut Kohl.
1982
Baubeginn des Zwischenlagers wird mit Aktionen im Grenzstreifen zur DDR beantwortet, militante Eskalation beim „Tanz auf dem Vulkan“ und immer schlechtere Bohrergebnisse. Plötzlich ist das Wendland mit Dragahn wieder als ein WAA-Standort im Gespräch.
1983
Proteste gegen die Pläne, in Dragahn eine WAA zu errichten. „Gorleben statt Kreta“ und Demos im Grenzgebiet zwischen der DDR und BRD. Das Bundeskabinett unter Helmut Kohl stimmt der „untertägigen Erkundung“ des Salzstocks Gorleben zu.
1984
„Das Vertrauen hat sehr gelitten“: Menschenkette und Wendland-Blockade gegen die WAA-Pläne. Unter erheblichem Protest erreicht ein erster Atommülltransport das Fasslager Gorleben.
1985
Ein erster leerer Probe-Castor erreicht das Wendland. Der erste Kreuzweg führt vom AKW Krümmel nach Gorleben. Nach Anschlägen auf die Bahn werden die Daten von tausenden Gorleben-Gegner*innen von der Polizei gespeichert – und damit eine ganze Szene pauschal kriminalisiert.
1986
Baubeginn im Bergwerk Gorleben. Heftige Auseinandersetzungen um die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf und das AKW Brokdorf. Nach dem GAU von Tschernobyl protestieren zehntausende Menschen gegen die Atomenergie.
1987
Schwerer Unfall in Schacht 1 des Bergwerks in Gorleben. „Transnuklearskandal“ betrifft auch Atommüll im Zwischenlager, Proteste gegen den Bau der PKA.
1988
Kreuzweg der Schöpfung führt von Wackersdorf nach Gorleben, Schmiergeldskandal, „Wir stellen uns quer“ – Proteste gegen den ersten Probecastor ins Zwischenlager.
1989
Das Aus für die WAA Wackersdorf, Castor-Alarm: erster hochradioaktiver Atommülltransport nach Gorleben wird wenige Stunden vor Abfahrt gerichtlich gestoppt.
1990
„Ein Hauch der Freien Republik Wendland wehte durch den Gorlebener Tann…“, als auf dem Bauplatz der PKA Hütten errichtet werden. Aktivist*innen besetzen im Sommer den Förderturm in Gorleben, zum Jahresende Baustopp und SPD-Versprechen.
1991
Proteste gegen die Anlieferung von Mol-Container, PKA-Bauplatzbesetzung, erneuter „Castor-Alarm“ und nächster Baustopp im Erkundungsbergwerk.
1992
Resolution gegen und eine Mehrzweckhalle für Gorleben, Erweiterung des Zwischenlagers und viel Geld für den Landkreis.
1993
Sitzblockaden gegen Atommüll-Lieferungen, „Wege aus der Gorleben-Salzstock-Sackgasse“, Energiekonsens-Gespräche und hohes Bussgeld gegen Turmbesetzer*innen.
1994
Widerstandscamp „Castornix“ und erhebliche Proteste gegen ersten Castortransport, der wegen technischer Mängel dann abgesagt wird. Weiterbau der PKA per Weisung.
1995
Anschläge auf Bahn & Kran, die Aktion „ausrangiert“ will den ersten Castor empfangen, Bundesumweltministerin Merkel macht den absurden Backpulver-Vergleich & der Baustopp im Bergwerk wird aufgehoben.
1996
10 Jahre nach Tschernobyl, „Wir stellen uns quer!“ gegen den zweiten Castor nach Gorleben.
1997
Gewaltsame Räumung für den dritten Castor, Griefahn knickt ein & mehr Geld von der BLG.
1998
Einwendungen gegen die PKA, Castortransport nach Ahaus, Transportestopp nach verstrahlten Behältern, Einstieg in den Atomausstieg und Moratorium im Salzstock.
1999
„Flickschusterei“ um Atomausstieg & AkEnd, Stunkparade nach Berlin und die Ankündigung, dass sich beim nächsten Castor X-tausend Menschen querstellen werden.
2000
Defekte Brücke und unsichere Behälter verhindern Castorlieferung, Atomkonsens „alles Lüge“, denn er sichert den Weiterbetrieb der AKW und Moratorium im Salzstock.
2001
Zwei Atommülltransporte rollen nach Gorleben, einer im März, ein zweiter im November. X-tausend Menschen stellen sich quer und WiderSetzen sich. Der Betonblock von Süschendorf zwingt den Castor zum Rückwärtsgang. Der Widerstand bekommt ein Archiv, die Bundestagsabgeordneten ein Denkmal, die „Gewissensruhe“.
2002
25 Jahre nach der Standortbenennung künftig keine Wasserwerfer mehr gegen den Widerstand, Freispruch im Süschendorf-Prozess, Ver-rück-te Dörfer gegen zwölf Castorbehälter, Rechenfehler und ein Abschlussbericht des AKEnd.
2003
Betonklötze für Betonköpfe, „Fest zum Protest“, der Salzstock wird besetzt, der siebte Castor rollt. Atomausstieg: das AKW Stade geht vom Netz – aber die Endlagersuche bleibt weiter unklar.
2004
Schienensitzen ist keine Straftat, das Einkesseln rechtswidrig, Trash People in Gedelitz, eine Veränderungssperre für den Salzstock zemetiert dessen Sonderstellung. Der Castortransport im Herbst verändert alles: Sebastién wird überfahren und stirbt.
2005
25 Jahre nach der „Republik Freies Wendland“ und 10 Jahre nach dem ersten Castortransport ist die Entsorgung des Atommülls weiter ungelöst. In die Debatte um die Entsorgung des Atommülls und die Zukunft der Atomenergie kommt Bewegung, die Veränderungssperre für den Salzstock wird verlängert. Container brennen, Bauern ziehen sich aus – und im November rollt der nächste Atommüllzug ins Zwischenlager.
2006
Geologe Grimmel warnt vor Erdbeben, die CDU kann sich in Gorleben ein Untertagelabor vorstellen. „Wir sind gekommen um zu bleiben“: Castorproteste im Herbst mit einer eigenen „Allgemeinverfügung gegen Atomwirtschaft und Polizeiwillkür“ und ein Offenbarungseid von Umweltminister Sigmar Gabriel.
2007
Der Widerstand feiert 30 Jahre Protest, ein Probecastor im Sommer aber keine „heiße Fracht“ im Herbst, stattdessen Kinderkrebsstudie und G8-Gipfel in Heiligendamm.
2008
Endlager-Symposium & Probebohrungen in Hamburg, absaufende Asse-2, 1 Millionen Jahre Endlager-Sicherheit und ein nächster Castortransport im November.
2009
Brisante Enthüllungen: Gorleben wurde aus politischen Motiven zum Endlagerstandort. Seit Jahren wird nicht nur „erkundet“, sondern ein Endlager gebaurt. „Mal so richtig abschalten“ – ein Protest-Treck aus dem Wendland führt zu einer großen Demo gegen AKW-Laufzeitverlängerung nach Berlin. Kein Castortransport, seit Oktober finden jeden Sonntag Spaziergänge um das Bergwerk statt.
2010
Krümmel-Treck, Ketten-Reaktion, Atomkraft-Schluss!, Castor XXL: die Antwort auf die AKW-Laufzeitverlängerung sind die größten Anti-Atom-Demonstrationen, die es in Deutschland je gab.
2011
Bundesweite Anti-Atom-Proteste nach dem Fukushima-GAU, neuer Atomausstieg, gorleben365 und ein „Rekord-Castor“ – der letzte, der nach Gorleben rollte.
2012
Das „Wendejahr“ mit zahlreichen Werksblockaden unter dem Motto „gorleben365“ und der zentralen Forderung zur Endlagersuche auf der „weißen Landkarte“: Der Fleck Gorleben muss weg!
2013
Mit der „Beluga“ stellt Greenpeace in Gorleben ein Mahnmal auf, der Widerstand läuft Matrathon gegen das neue Standortauswahl-Gesetz.
2014
Die „neue Endlagersuche auf der weißen Landkarte“ beginnt – mit einem dicken Fleck: Gorleben. Immer wieder Proteste gegen die „Atommüllkommission“ der Regierung und tausende Unterschriften gegen weitere Castoren.
2015
Tausende feiern im Sommer an den Atomanlagen, Erfolg vor dem Bundesverfassungsgericht: der „Kessel von Harlingen“ war rechtswidrig.
2016
Für 23 Milliarden Euro entledigen sich die Atomkonzerne dem Atommüll, der ab sofort uns allen „gehört“. Zahlreiche Aktionen an den Atomanlagen gegen die Endlagerpläne der Bundesregierung.
2017
Auch 40 Jahre nach der Standortbenennung ist der Widerstand „lebendig“, Betreiber der Atomanlagen wird der Bund, Castoren auf dem Neckar und letzte Befahrung des Gorleben-Schachts.
2018
Neuer Betreiber will Aus für die PKA, Langzeitlagerung von Castoren rückt in den Fokus, Kritik an der Arbeit des „Nationalen Begleitgremiums“.
2019
30 Jahre Kulturelle Landpartie, 40 Jahre nach dem Treck nach Hannover. Abriss der Schutzmauer um das Bergwerk.
2020
Im „Corona-Jahr“ wird Gorleben Ende September völlig unerwartet aus der weiteren Suche nach einem Atommülllager ausgeschlossen. Nach über 40 Jahren Protestgeschichte ist es vorbei. Im Herbst rollt der erste Castor durch Deutschland, der eigentlich nach Gorleben sollte.
2021
10 Jahre nach Fukushima hat die Corona-Pandemie Deutschland fest im Griff, nur wenige öffentliche Aktionen finden statt. Viel Kritik an Online-Veranstaltungen zur Endlagersuche. Im Sommer der vierte Kreuzweg von Gorleben nach Lützerath. Im Herbst das Versprechen: der Salzstock wird verfüllt.
2022
Das dritte Corona-Jahr beginnt mit einem Schicksalsschlag: völlig unerwartet stirbt Jochen Stay. Mit einem großen Festival feiern Anfang Juni tausende Menschen in Gorleben das Endlager-Aus und den Atomausstieg. Doch zum Jahresende die Ernüchterung: Die AKW-Abschaltung wird verschoben.
2023
Doch kein Atomausstieg zum 31.12.2022 – drei Atomkraftwerke laufen über das Jahr hinaus. Der Protest geht weiter.
2024
Die BI fordert einen Transportestopp ins Fasslager und den Neubau der Zwischenlagerhalle aus Sicherheitsgründen, denn die Castoren werden noch lange hier bleiben müssen. Der „Rückbau“ des verhinderten Endlagers wird immer teurer, Ende November beginnt dann endlich das Zuschütten: 400.000to Salz kommen zurück unter die Erde. Ein Meilenstein.
…und davor – Die Anfänge bis 1972
Die Anfänge: Erste Überlegungen, Atommüll in Salz zu lagern – statt ihn in der Tiefsee zu versenken. Gasexplosion im Salzstock Gorleben-Rambow.
1973
1973 werden die Pläne bekannt, bei Langendorf an der Elbe ein Atomkraftwerk zu bauen. In der Debatte um einen Standort für ein Atommüll-Endlager bzw. die Errichtung eines Entsorgungszentrums spielt Gorleben 1973 offiziell keine Rolle.
1974
Die Standortsuche für ein Atommülllager beginnt. Das Credo: So lange die Anlage genug Platz hatte und niemanden störte, war alles gut. Der Standort Gorleben hatte damit nichts zu tun.
1975
Im August 1975 bricht bei Trebel ein großer Waldbrand aus. Die Bundesregierung geht bei der Standortsuche für ein Nukleares Entsorgungszentrum (NEZ) davon aus, dass mehrere Salzstöcke parallel untersucht werden müssten. Gorleben gehört nicht dazu.
1976
(…) In einer zweiten Version der TÜV-Studie wurde handschriftlich der Standort Gorleben ergänzt und als am besten geeignet befunden. (…)
1977
Die Bedenken sind stark, doch Gorleben wird trotzdem zum Standort für den Bau eines gigantischen „Nuklearen Entsorgungszentrums“ benannt. Daraufhin finden erste Großdemonstrationen statt.
1978
Innerhalb von 5 Tagen sammeln Gorleben-Gegner*innen 800.000 DM, um der DWK beim Kauf weiterer Grundstücke über dem Salzstock Gorleben zuvor zukommen.
1979
Im März 1979 findet der legendäre „Treck nach Hannover“ statt. Nach einer Großdemonstration in der Landeshauptstadt verkündet Niedersachsens Ministerpräsident Albrecht das Aus für die WAA-Pläne in Gorleben.
1980
Platzbesetzung der Bohrstelle Gorleben 1004 und Gründung der „Republik Freies Wendland“. Die Räumung nach vier Wochen wird zum größten Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD.
1981
Gorleben-Hearing in Lüchow zum Bau des Zwischenlagers und massiver Protest gegen das AKW Brokdorf. Nach Bohrungen werden die Zweifel an der Eignung des Salzstock Gorleben für ein Endlager „größer, nicht kleiner“. Doch Gegner*innen des Projekts seien „Schreihälse, die bald der Geschichte angehören“, meinen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Oppositionsführer Helmut Kohl.
1982
Baubeginn des Zwischenlagers wird mit Aktionen im Grenzstreifen zur DDR beantwortet, militante Eskalation beim „Tanz auf dem Vulkan“ und immer schlechtere Bohrergebnisse. Plötzlich ist das Wendland mit Dragahn wieder als ein WAA-Standort im Gespräch.
1983
Proteste gegen die Pläne, in Dragahn eine WAA zu errichten. „Gorleben statt Kreta“ und Demos im Grenzgebiet zwischen der DDR und BRD. Das Bundeskabinett unter Helmut Kohl stimmt der „untertägigen Erkundung“ des Salzstocks Gorleben zu.
1984
„Das Vertrauen hat sehr gelitten“: Menschenkette und Wendland-Blockade gegen die WAA-Pläne. Unter erheblichem Protest erreicht ein erster Atommülltransport das Fasslager Gorleben.
1985
Ein erster leerer Probe-Castor erreicht das Wendland. Der erste Kreuzweg führt vom AKW Krümmel nach Gorleben. Nach Anschlägen auf die Bahn werden die Daten von tausenden Gorleben-Gegner*innen von der Polizei gespeichert – und damit eine ganze Szene pauschal kriminalisiert.
1986
Baubeginn im Bergwerk Gorleben. Heftige Auseinandersetzungen um die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf und das AKW Brokdorf. Nach dem GAU von Tschernobyl protestieren zehntausende Menschen gegen die Atomenergie.
1987
Schwerer Unfall in Schacht 1 des Bergwerks in Gorleben. „Transnuklearskandal“ betrifft auch Atommüll im Zwischenlager, Proteste gegen den Bau der PKA.
1988
Kreuzweg der Schöpfung führt von Wackersdorf nach Gorleben, Schmiergeldskandal, „Wir stellen uns quer“ – Proteste gegen den ersten Probecastor ins Zwischenlager.
1989
Das Aus für die WAA Wackersdorf, Castor-Alarm: erster hochradioaktiver Atommülltransport nach Gorleben wird wenige Stunden vor Abfahrt gerichtlich gestoppt.
1990
„Ein Hauch der Freien Republik Wendland wehte durch den Gorlebener Tann…“, als auf dem Bauplatz der PKA Hütten errichtet werden. Aktivist*innen besetzen im Sommer den Förderturm in Gorleben, zum Jahresende Baustopp und SPD-Versprechen.
1991
Proteste gegen die Anlieferung von Mol-Container, PKA-Bauplatzbesetzung, erneuter „Castor-Alarm“ und nächster Baustopp im Erkundungsbergwerk.
1992
Resolution gegen und eine Mehrzweckhalle für Gorleben, Erweiterung des Zwischenlagers und viel Geld für den Landkreis.
1993
Sitzblockaden gegen Atommüll-Lieferungen, „Wege aus der Gorleben-Salzstock-Sackgasse“, Energiekonsens-Gespräche und hohes Bussgeld gegen Turmbesetzer*innen.
1994
Widerstandscamp „Castornix“ und erhebliche Proteste gegen ersten Castortransport, der wegen technischer Mängel dann abgesagt wird. Weiterbau der PKA per Weisung.
1995
Anschläge auf Bahn & Kran, die Aktion „ausrangiert“ will den ersten Castor empfangen, Bundesumweltministerin Merkel macht den absurden Backpulver-Vergleich & der Baustopp im Bergwerk wird aufgehoben.
1996
10 Jahre nach Tschernobyl, „Wir stellen uns quer!“ gegen den zweiten Castor nach Gorleben.
1997
Gewaltsame Räumung für den dritten Castor, Griefahn knickt ein & mehr Geld von der BLG.
1998
Einwendungen gegen die PKA, Castortransport nach Ahaus, Transportestopp nach verstrahlten Behältern, Einstieg in den Atomausstieg und Moratorium im Salzstock.
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