FUNDSTÜCK DES MONATS

Ostern 1980

April

Ostern 1980, in der Nacht zum 8. April bereiteten rund 1.500 Frauen aus dem In- und Ausland der Polizei an der Tiefbohrstelle 1003 in Gorleben eine unruhige Nacht. Mit Marmeladeneimern und Waschmaschinen-Trommeln erzeugten sie ein ohrenbetäubendes Klappern, Pfeifen und Getöse, das um Mitternacht durch den Gorlebener Forst dröhnte. Als dann noch schauriges Wolfsgeheul angestimmt wurde, beendeten die Beamten die nächtliche Ruhestörung durch das Auffahren von Wasserwerfern.

Grund für diese Aktion war ein internationales Frauentreffen mit insgesamt 3.000 Teilnehmerinnen, das die Gorleben-Frauen aus Lüchow-Dannenberg über die Ostertage organisiert hatten. Neben einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm war eben dieser Nacht-Spaziergang zum Bohrplatz eine der zentralen Aktionen.

Das Treffen geriet zu einer bunten Demonstration verschiedenster Teile der Frauenbewegung: Lila Fahnen mit Frauenzeichen neben Treckern der Landfrauen mit Bundschuh-Fahnen, Clown-Theater für den Gebärstreik und Ostereiermalen für die Kleinsten.

Das Anti-Atom-Osterfest gegen die geplante Atommülldeponie endete mit einer von 5.000 Menschen besuchten Demonstration. Eine Rednerin: „Wir wehren uns gegen das Bild von der sanften und friedfertigen Frau. Wir sind wütend!“

Lilo Wollny, eine der Organisatorinnen, erinnert sich später: „Wir hatten niemals mit so vielen Frauen gerechnet und Irritationen in der Landkreisbevölkerung blieben nicht aus.“

Auf dieser Demonstration wurden auch erstmals zur besetzung der Bohrstelle 1004 aufgerufen, bei der dann im Mai 1980 das legendäre Hüttendorf errichtet wurde – die Republik Freies Wendland.

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