Gorleben Chronik

1954

Inkrafttreten der sogen. Pariser Verträge. Der zivilen Atomenergienutzung stehen besatzungsrechtlich keine Hindernisse mehr im Weg.

1955/56

Überlegungen zur Endlagerung von radioaktiven Abfällen im Salz werden in den USA und in Deutschland vom Münchner Petrographen Georg Fischer mit Nachdruck vorgeschlagen. Nach Fischers Auffassung handelt es sich um „das Beste bis dahin bekannte Verfahren“.

1957

Memorandum der Deutschen Atomkommission (DAtK) am 9. Dezember: Es ist von „Forschungsarbeiten“ die Rede,  die sich „vor allem auf die sichere Beseitigung oder Verwertung radioaktiver Rückstände sowie auf die Dekontamination von radioaktiven Verunreinigungen erstrecken“ sollten.

1959

In den Jahren 1959-1961 wird das in den USA favourisierte Endlagerkonzept in Salz im Arbeitskreis Strahlenschutz und Sicherheit der Deutschen Atomkommission (DAtK) thematisiert.

1961

Die oberirdische Endlagerung von Atommüll wird für die BRD ausgeschlossen. Für die BRD scheinen nur unterirdische geologische Formationen, wobei Salzstöcke oder aufgelassene Bergwerke besonders, geeignet. Der Bau einer „Prototypanlage zum Studium der Endlagerung“ solle möglichst bald ins Auge gefasst werden, da der Bedarf für ein Endlager 1967/68 gegeben sei. Eine Versenkung der Abfälle im Meer wird kritisch gesehen, aber weiterhin als „Option“ angesehen.

1963

Am 4. Mai verabschiedet die Deutsche Atomkommission (DAtK) das zweite Atomprogramm mit Favourisierung des Salzkonzepts für die Endlagerung. Die Gründe: große Dichte, für Flüssigkeiten und Gase „praktisch“ undurchlässig, hohe Wärmeleitfähigkeit, Standfestigkeit, Häufigkeit der Vorkommen besonders in der norddeutschen Tiefebene. Es sollen allerdings auch die „Möglichkeiten anderweitiger Lagerung auf Basis internationaler Organisationen“ weiter verfolgt werden.

Bei der Erörterung der Lagerung in bereits vorhandenen Grubenräumen wird von Hans-Joachim Martini, Präsident der Bundesanstalt für Bodenforschung, dem Vorläufer der BGR, am 15. Mai ausdrücklich das Bergwerk Asse II bei Wolfenbüttel (Niedersachsen) erwähnt. Martini und dessen Vizepräsident, der Geologe Gerhard Richter-Bernburg weisen auf die „günstige Gelegenheit“ hin, die sich durch den Kauf der Asse ergeben würde.

Bei der ersten Besichtigung der Asse-2 im Jahre 1963 fällt auf, dass Wasser eindringt. Die Bergbehörde sieht darin jedoch „keine akute Gefahr“.

1964

 

1967

Rund 400 km vor der portugisischen Küste wird Atommüll in eine Tiefe von gut 4.000 Metern versenkt. Darunter auch leicht-radioaktiver Abfall aus Deutschland.

1969

Auf dem Gebiet der DDR kommt es am 25. Juli 1969 bei Rambow während einer Erkundungsbohrung zu einer Gasexplosion nachdem man in 3.500 Metern Tiefe auf ein Gas-Laufen-Gemisch getroffen war.

(…) Fast unmerklich hatte sich kurz nach Schichtbeginn eine bläulich-neblige Wolke über das Bohrloch gelegt. Kringel und seine Kollegen können den unkontrollierten Gasaustritt nicht mehr stoppen. Um 14.58 kommt es zur Explosion. Staatliche Behörden beziffern später den volkswirtschaftlichen Schaden auf 9,6 Millionen DDR-Mark – Ermittlungsbehörden machen menschliches Versagen als Ursache für das Unglück aus. (abendblatt.de / Martina Rathke, 17.03.11)

Entzündet hatte sich das Gemisch am glühenden Auspuff eines Antriebsmotors. Der Leiter der Bohrstelle starb. Sechs Arbeiter wurden schwer verletzt. Auch eine weitere Bohrung musste wegen unbeherrschbarer Bedingungen abgebrochen werden.

1972

Der Geologe Gerd Lüttig erarbeitet mit seinem Kollegen Rolf Wager im Auftrag der KEWA eine streng vertrauliche Studie über 100 niedersächsische Salzstöcke. Der Studie nach könne Gorleben aus drei Gründen für ein Atommüll-Lager nicht in Betracht kommen:

  • Vermutete Carnallit-Vorkommen, Analogie zu Wustrow (Wendland)
  • Wenig geologische Erkenntnisse
  • Abtauchen der Salzstockoberfläche in Richtung Rambow um mehrere hundert Meter. Das deutete auf die Möglichkeit von Ablaugungsvorgängen (Subrosion) in diesem Gebiet hin.

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