Gorleben Chronik – 1973
Zwei AKW für das Wendland

Anfang der 70er Jahre bittet Wilhelm Paasche, Oberkreisdirektor des Landkreises Lüchow- Dannenberg, seinen Oberbaurat August Quis zu sich: „Wir sind aufgefordert worden, einen Vorsogestandort für ein Kernkraftwerk an der Elbe zu benennen. Bitte machen sie mir Vorschläge, wo dies am wenigsten stört.“ (aus: „August Quis: Hinterwalden“)

Im Dezember 1973 werden die Pläne bekannt, bei Langendorf an der Elbe ein Atomkraftwerk zu bauen. Langendorf liegt nur 10km elbabwärts von Gorleben entfernt. Nachdem der Landkreis die Fläche ausgewiesen hat, erwerben die künftigen Betreiber des AKW Flächen, überwiegend von der Kirche.

Am 13. Dezember findet in Langendorf eine Gemeinderatssitzung zum Thema Atomkraftwerk statt. Im Wendland regt sich erster Anti-Atom-Protest. Die Widerstands-Veteranin Marianne Fritzen ist unter den Ersten, die sich wehren.

In einer am 19. Dezember 1973 veröffentlichten Anzeige heisst es:

„Atomkraftwerk Langendorf ? das heißt Radioaktivität, verseuchtes Wasser, verseuchte Luft, verödeter Boden, vergiftete Menschen, verkrüppelte Kinder, ANGST.“

Geplant ist eine gigantische 600kV-Stromleitung mit Masthöhen bis zu 90 Metern, die nördlich des Hohenmechtins quer durch den Drawehn in Richtung Lüneburg führen soll. Damit sich diese Investition lohnt, wird ein zweiter AKW-Standort zwischen Landsatz und Jasebeck in die Planungen einbezogen. Neben Umweltschützer*innen engagiert sich auch damalige Oberbaurates August Quis stark gegen das Projekt. Nachdem die Stromtrasse nicht genehmigt wird, sterben beide AKW-Projekte. In dem Zusammenhang gegründet sich die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg , die bis heute eine der tragenden Säulen des deutschen Anti-Atom-Protests ist.

In der Debatte um einen Standort für ein Atommüll-Endlager bzw. die Errichtung eines Entsorgungszentrums spielt Gorleben 1973 offiziell keine Rolle.


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