Auf den Spuren der „Republik Freies Wendland“

ndrDas NDR-Magazin „DAS!“ berichtete am 26.04.2017 über die Arbeiten von Attila Dézsi, der in Zusammenarbeit mit dem Gorleben Archiv die Geschichte eines Staates erforscht, der gerade mal 33 Tage existierte: die „Republik Freies Wendland“. Der Doktorand möchte die Fläche archäologisch untersuchen.

zum Video auf ndr.de

weitere Informationen: Archäologische Erforschung der Freien Republik Wendland

Gorleben Archiv im Aufwärtstrend: Anlaufstelle für Wissenschaftler und Medienmacher

Gorleben Archiv e.V.
Pressemitteilung vom 25. April 2017

Jahreshauptversammlung 2017

Das Gorleben Archiv in Lüchow entwickelt sich zunehmend zu einer Anlaufstelle für Wissenschaftler und Medienmacher der unterschiedlichsten Bereiche. Wie Archivleiterin Birgit Huneke kürzlich auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Vereins berichtete, hat sich dieser Trend im letzten Jahr noch einmal verstärkt. Eine wachsende Zahl an Besuchern aus dem In- und Ausland nutzten den umfangreichen Bestand der Einrichtung für ihre Recherchen – darunter auffallend viele Studenten, Buchautoren, Dokumentarfilmer und Journalisten. Teilweise arbeiteten sie mehrere Tage lang in den Räumen des Archivs. So wie der Archäologe Attila Dézsi, dessen Forschungsprojekt aus dem Fachbereich Zeitgeschichtliche Archäologie schon jetzt für großes Medieninteresse sorgte. Ausgestattet mit einem Promotionsstipendium der Universität Hamburg wird Dézsi die Hinterlassenschaften der Freien Republik Wendland auf der ehemaligen Bohrstelle 1004 wissenschaftlich untersuchen und sich dabei auch auf die große Fotosammlung des Gorleben-Archivs stützen.

No Panic – Udo Lindenberg ist neues Mitglied im Gorleben Archiv

Nicht nur die steigende Nachfrage, auch den Zuwachs an Mitgliedern und Aktiven wertete die Vereinsvorsitzende Gabi Haas „als eine schöne Bestätigung für die Arbeit des Gorleben-Archivs“. So ist das Team der Ehrenamtlichen inzwischen auf neun feste Mitarbeiter angewachsen, von denen jeder einen bestimmten Bereich wie etwa Filme, Fotos, Plakate oder einen persönlichen Nachlass bearbeitet. Der Aufwärtstrend spiegelt sich auch in der Zahl der Mitglieder wieder, die sich seit Anfang 2016 um rund zwanzig auf inzwischen 180 erhöht hat. Auf einen prominenten Neuzugang sind die Archivler besonders stolz – Panikrocker Udo Lindenberg. Der Mann mit Hut und den alten Verbindungen zu wendländischen Künstlerkreisen hat seinen Eintritt ins Gorleben Archiv sogar auf einem Flyer mit einem original handsignierten Selbstbildnis bestätigt. Zitat: „No Panic – ich werde Mitglied.“

Machbarkeitsstudie zur Zukunft des Gorleben-Archivs

Auch die Arbeit an den verschiedenen Langzeitprojekten des Archivs ist, wie Huneke berichtete, gut vorangekommen und konnte teilweise sogar abgeschlossen werden – etwa die Rettung von fast 300 alten Tondokumenten oder die Digitalisierung von rund 400 Plakaten zum Thema Gorleben in Kooperation mit dem Kulturerbe Niedersachsen. Doch trotz guter Stimmung, erfolgreicher Arbeit und einem kleinen, wenn auch längst verplantem Finanzüberschuss von rund 9.500 Euro – den Ausgaben von rund 48.300 Euro stehen Einnahmen in Höhe von rund 57.800 Euro gegenüber – ist das Gorleben Archiv nicht frei von Existenzsorgen. Im Gegenteil: Nur durch Spenden gelingt es dem Verein, sich Jahr für Jahr über Wasser zu halten.

„Wir brauchen ein Gesamtkonzept, damit die Arbeit des Gorleben-Archivs auch zukünftig gesichert ist“, sagte Gabi Haas.

Große Hoffnungen setzt der Vorstand dabei auf ein Team von Wissenschaftlern der Leibniz Universität Hannover, das zurzeit genau eine solche Rahmenkonzeption zur Weiterentwicklung und langfristigen Finanzierung des Gorleben-Archivs erarbeitet. Mit den Ergebnissen dieser vom Lüneburgischen Landschaftsverband geförderten Studie rechnet der Verein noch in diesem Jahr.

KLP-Veranstaltung: Zeitzeugen berichten aus vierzig Jahren Widerstand gegen die Atomanlagen

Die Geschichte des Widerstands gegen die Gorlebener Atomanlagen hat viele Kapitel. Wer erinnert sich noch an die erpresserischen Kaufangeboten und Bespitzelungen der DWK vor vierzig Jahren? Wie war das eigentlich genau, als sich die Landwirte aufmachten zum legendären Treck nach Hannover? Die Besetzung der Bohrstelle 1004, die Einbetonierung auf den Gleisen, die Massenblockaden und Kunstaktionen, die Kriminalisierung des Widerstands und rechtswidrigen Polizeiaktionen – wie haben es die Beteiligten damals erlebt, wie haben sie das Wendland bis heute geprägt?

Auf einer Veranstaltung des Gorleben Archivs werden der Grundbesitzer Andreas Graf von Bernstorff, Landwirt Hans-Werner Zachow, die Künstlerin Uta-Helene Götz, Anti-Atom-Aktivist Olli Rausch und andere Zeitzeugen über ihre ganz persönlichen Erfahrungen berichten – mehr als ein Rückblick auf 40 Jahre Widerstand.

  • Veranstaltung in Klein Witzeetze 6, Donnerstag 1. Juni, 16:00-18:00 Uhr
    Ein Vortrag mit Zeitzeugen von und mit dem Gorleben Archiv (Hutkasse)
  • weitere Infos: kw6.info

Grüne spenden 1.000 Euro für das Gorleben-Archiv

„Die Anti-Atombewegung ist Teil unserer grünen DNA“, so der Landesvorsitzende der Grünen in Niedersachsen, Stefan Körner – und übergab am Wochenende eine 1000-Euro-Spende an das Gorlebenarchiv. Weiterlesen

Ausstellung im Landtag

40 Jahre sind seit der Benennung Gorlebens als Endlagerstandort vergangen. Nun soll eine neue Endlagersuche die bestmögliche Sicherheit für die Atommüllentsorgung gewährleisten. Doch hält die neue Endlagersuche, was sie verspricht? Über 70 Interessierte folgten der Einladung der Grünen-Fraktion in den niedersächsischen Landtag, um einen Tag nach der Standortbenennung vor 40 Jahren diese Frage zu erörtern.

Eine Ausstellung mit Dokumenten und Plakaten aus dem Gorleben-Archiv flankierte die Veranstaltung.

Ausstellung Landtag Ausstellung Landtag

Mitgliederversammlung

Am 2. April findet die Mitgliederversammlung des Gorleben Archiv e.V. statt. Neben Mitgliedern des Vereins sind auch Freund*innen herzlich eingeladen, sich anlässlich dieses Treffens in unserem Verein zu engagieren.

Neben den Neuwahlen des Vorstands, der Beiräte und des Rechnungsprüfers für das Jahr 2017 steht die Abstimmung einer Satzungsänderung auf der Tagesordnung:

Top 11. Beschluss über Antrag des Vorstands zur Satzungsänderung
Die aus formalen Gründen ohnehin notwendige Satzungsänderung (betr. § 2, letzter Punkt: Verbleib des Vereinsvermögen bei Auflösung des Vereins) haben wir dazu genutzt, um die Satzung auch an einigen anderen Punkten zu überarbeiten. Es geht dabei nicht um inhaltliche, sondern nur um sprachliche Korrekturen bzw. verständlichere Formulierungen.

Jahreshauptversammlung des Gorleben Archiv e.V.

Sonntag, den 2. April 2017 um 15 Uhr
im Gorleben Archiv in Lüchow, Rosenstr. 17

Tagesordnung:

  1. Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit
  2. Wahl der Versammlungsleitung
  3. Genehmigung der Tagesordnung
  4. Finanzbericht des Kassenwarts und der Kassenprüfer/innen
  5. Jahresbericht des Vorstands und Bericht aus dem Büro
  6. Aussprache über Jahresbericht des Vorstands und die zukünftige Arbeit
  7. Entlastung des Vorstands
  8. Neuwahlen des Vorstands
  9. Wahl der Beiräte
  10. Wahl der Rechnungsprüfer für das Jahr 2017
  11. Beschluss über Antrag des Vorstands zur Satzungsänderung
  12. Verschiedenes

Wir freuen uns über zahlreiches Erscheinen.
Gabi Haas (1. Vorsitzende)

Ein Spiegel der Protest-Jahrzehnte

Die Künstlerin Uta-Helene Götz führte in Trebel sehr persönlich in eine Plakatausstellung ein. Die Plakate legen Zeugnis darüber ab, wie viel Kreativität von Beginn an im Protest gegen die Atomanlagen in Gorleben gesteckt habe. (aus der Elbe Jeetzel Zeitung zu unserer Plakatausstellung)

Parallel läuft noch bis zum 10.3. eine Ausstellung im Kreishaus Lüchow.

Informationsveranstaltung zur Archäologische Erforschung der Freien Republik Wendland

In einem kleinen Vortrag stellte Attila Dézsi am 25. Februar attilain Platenlaase sein Projekt und erste Ergebnisse vor.

Er lädt herzlich zum Mitmachen ein: Ob gemeinsames Suchen und Vermessen, Schubkarrenschieben, Funde waschen und interpretieren oder Erinnerungen erzählen. Vieles ist möglich: Lasst uns Geschichte schreiben!

weitere Infos zu der Archäologischen Erforschung hier

 

 

40 Jahre Gorleben: „Botschafter*innen“ für vier Widerstands-Generationen

Am Samstag, 18. Februar, standen am Aktionstag „Rückbau statt Rückschau – 40 Jahre Gorleben!“ vier Widerstands-Generationen auf der Bühne.

Gesine Wiese, 16 Jahre aus Gedelitz gemeinsam mit ihrer Freundin Jil Petersen

PortraitHallo, ich bin Gesine Wiese, bin 16 Jahre alt und wohne nichtmal 2 Kilometer von hier entfernt in Gedelitz.

Den Widerstand gegen die Castortransporte habe ich seit dem ich klein war immer hautnah miterlebt und an einigen Aktionen und Schülerdemos teilgenommen. Mit mir ist jetzt die vierte Generation in unserer Familie gegen Atomkraft.

Eigentlich müsste es doch jedem klar sein, dass diese Technologie menschenverachtend ist und viele Menschenleben und Familien auf Generationen zerstört wie in Tschernobyl und Fukushima. Und trotzdem produzieren wir jährlich pro Reaktor 20-30 Tonnen weiteren hochradioaktiven Müll, der uns noch viele Generationen verfolgen wird. Und er verschwindet auch nicht einfach so.

Deshalb sollten wir uns jetzt dafür einsetzen, dass die Atommüllproduktion gestoppt wird! Sonst geht alles auf Kosten der zukünftigen Generation.

Heinrich Pothmer, 63 Jahre aus Teichlosen

Bild: kina.becker@pictonet.de

Bild: kina.becker@pictonet.de

An diesen Tagen vor 40 Jahren hab ich das erste Mal in meinem Leben eine Treckerdemonstration angemeldet und mit einigen Kollegen in Lüchow angeführt. Damals haben nur wenige erfassen können, was da auf uns zukommen sollte. Das wir auch 40 Jahre später immer noch hier sind und widersprechen und widerstehen müssen – das konnte damals auch niemand ahnen. Seit diesem überheblichen Fingerzeig eines Ministerpräsidenten auf einer Landkarte haben sich das Leben um Gorleben und auch meines verändert, aber nicht nur zum schlechteren. Wir alle sind viel wachsamer und kritischer geworden. Prof. Robert Jungk hat während des Hannovertrecks gesagt: „Nur im Krieg wird mehr gelogen als bei der Atomindustrie.“ Das war zwar vor Trump, aber noch heute wird bei dem Thema bestritten und gelogen wie eh und je.

Aus einer Region mit politischen Analphabetentum ist ein politischer Brennpunkt geworden, und bis heute geblieben, der uns alle geprägt hat. Da der Landkreis heute mehr alternative Energie erzeugt, als er selbst verbraucht, das der Anteil ökologischer Landwirtschaft hier höher ist als irgendwo sonst, hat auch mit Gorleben zu tun, diesem Synonym von Größenwahn und Menschenverachtung.

Mit unserem Widerstand haben wir der Gesellschaft viel erspart, wenn wir an die ursprünglichen Pläne um Gorleben denken. Nur wenige danken uns das. Aber es wird immer noch Atommüll produziert obwohl niemand weiß wohin damit, obwohl wir wissen das es Gorleben nicht sein kann und wird. Kein Bauer bekommt eine Genehmigung für seinen Stall wenn er nicht nachweisen kann, das er den Mist ordentlich entsorgt. Beim Atommüll, der zigtausende Jahre strahlt soll das nicht gelten? Tschernobyl und Fukushima haben noch einmal sehr deutlich gemacht, dass die Landwirtschaft ganz besonders betroffen ist bei radioaktiver Verseuchung. Ackerland kann man nicht evakuieren! Trotzdem kam und kommt keine Unterstützung vom Bauernverband. So wacker und so unerschütterlich die „Bäuerliche Notgemeinschaft“ in diesen 40Jahren den Widerstand mit geprägt hat, so unterwürfig und käuflich hat sich der Bauernverband dargestellt, eine Schande.

Wir alle dürfen ein wenig stolz sein auf unsere Unbeugsamkeit, auf unsere Kreativität und unser Durchhaltevermögen. Und hier auch auf unsere Kinder, die all das schon mit der Muttermilch aufgesogen haben, und ob hier lebend oder woanders, immer ein besonderes Verhältnis zum Wendland haben werden.

Anne Peters, 80 Jahre aus Höhbeck

Anne Peters80JahreLiebe Leute, liebe Freunde alt und jung!

Ich heiße Anne Peters und ich möchte Heute und hier etwas sagen für die Gruppe der Alten im Gorleben Widerstand. Die Jungen blicken meist nach vorn, in die Zukunft, in ihre Zukunft. Die Alten blicken oft zurück in die Vergangenheit, in ihre Vergangenheit. Und das ist hier im Wendland auch die Vergangenheit, die Geschichte des Widerstandes.

Vor 20 Jahren, im Februar 1997, feierten wir mit einem Festprogramm im Schützenhaus in Dannenberg „20 JahreBI“ und der große Saal war rappel voll! Unteranderen berichtete die Ini60 über sich, mit einem Lied nach einer Melodie von Udo Jürgens. Im Refrain sangen wir: „….mit über 60 Jahren da fühlen wir uns frei….“ Und das stimmte auch wirklich. Denn manches, was bei den Jungen nicht ging, erlaubten sich die grauhaarigen Alten mit gelassener Selbstverständlichkeit. Z.B. waren Polizisten von uns eher ansprechbar. So konnten wir, wenn es brenzlig wurde bei Jugendlichen, die auf der Straße saßen, oft beruhigend eingreifen, auf beiden Seiten, ohne nachzugeben. Oder, wenn es um Nachschub mit Verpflegung ging, kam ich mit meinen Stullen, Kuchen und Suppentöpfen immer durch, auch wenn die Straßen gesperrt waren. Manchmal bekam ich Polizeibegleitung, hin und zurück. Oder wenn wir vor Castortransporten mit der Ini60 auf der Kreuzung in Nebenstedt in die Autos vor der Ampel Info-Zettel verteilten und sofort ein Polizeiauto erschien. „Wer ist hier verantwortlich?“ „Wir sind alle verantwortlich.“ „Wo haben Sie ihre Genehmigung?“ „Die brauchen wir nicht. Wir machen das immer so. Wir dürfen das!“ So können graue Haare auch manchmal ein Vorteil sein.

Im Februar 1984 schlossen sich einige engagierte Alte zur „Ini60“ zusammen. Ich war zwar damals noch nicht über 60, aber mein Mann Helmuth. Wir alle konnten uns an den 2.Weltkrieg und sein Ende mit Schrecken erinnern. Und wir wollten nicht, dass uns später unsere Kinder und Enkel fragen können: „Was habt ihr damals getan? Was habt ihr gegen den Atomwahnsinn und gegen die Atommafia getan?“ Das trieb uns um, das trieb uns an, das trieb uns zum Protest und auf die Straße!
Die Meisten von damals leben heute nicht mehr, es ist nur noch ein kleines Grüppchen der streitbaren Alten übrig. Wer kennt heute noch die alten Namen der Alemans, Quisens, Scheibners, Brückners, Wollnys, Drudes, Cyraniks, Fritzens und, und, und….. wie gut das es das Gorleben Archiv gibt!

Was uns tröstet in dem ganzen Elend ist, dass der Protest weitergeht, bis wir unser Ziel erreicht haben. Hoffentlich! Unsere Familie ist mit drei Generationen im Widerstand – auch wenn sie nicht alle im Wendland wohnen.

Aufhören möchte ich mit der letzten Strophe von unserem Ini60-Song, zum 20 Jahre-BI-Fest.
„Die Jungen und wir Alten, wir stehen Hand in Hand! Seit über 20 Jahren bleibt bunt der Widerstand. Wir sind hier alt geworden, die Haare werden grau, wir sind die alten Hasen und wissen ganz genau: Wenn wir gewinnen wollen, dann kommt`s auf jeden an! Wir halten fest zusammen, egal ob Frau, ob Mann“

Fritz Pothmer, 32 Jahre aus Teichlosen

Bild: kina.becker@pictonet.de

Bild: kina.becker@pictonet.de

Ich kenne das Wendland nur mit der Auseinandersetzung um Gorleben. Mit Polizeigewalt, Hausdurchsuchungen und Bespitzelung – aber auch mit Kultureller Landpartie, als kreativen Hotspot und mit einem hohen Maß an Lebensqualität. Der Protest hat die Menschen hier verändert, zusammen geschweißt – und mich geprägt.

An die ersten Demos zu denen ich mit war, kann ich mich nicht erinnern. Das erste Erlebnis was sich aber eingebrannt hat, war der Castortransport 1995. Meine Eltern, Eltern von Freunden, Lehrer, alles für mich damals vertrauenswürdige Personen, wurden vor meinen Augen von Wasserwerfern von der Straße gefegt. Da wurden für einen Elfjährigen natürlich Fragen aufgeworfen – ich war empört aber auch interessiert. Und ich habe mich informiert.

Harrisburg, Tschernobyl, später Fukushima: Diese Technik ist nicht beherrschbar und muss sofort abgeschaltet werden.

Morsleben stürzt ein, die Asse säuft ab: So leichtfertig kann man mit den tausende Jahre strahlenden Müll nicht umgehen.

Mit welchem Irrsinn und welchem Leichtsinn die Politik mit dem Thema umgeht, konnte ich als Kind nicht glauben und kann ich bis heute nicht fassen.

Ich stehe heute hier als dritte Generation im Widerstand, als Mitglied der Bäuerlichen Notgemeinschaft aber vor allem als Familienvater, denn es geht um nichts Weniger, als um das Lebensrecht unserer Kinder und Kindeskinder.

Der Widerstand hat in den 40 Jahren viel erreicht. Heute stellen wir die Mehrheit der Bevölkerung. Viele Atomkraftwerke sind dank euch nicht gebaut oder nicht ans Netz gegangen. Die Wiederaufbereitungsanlage wurde nicht gebaut und wenn auch viel zu spät werden die deutschen Atomkraftwerke in den nächsten Jahren abgeschaltet.

Doch wir müssen wachsam bleiben, denn ohne unseren Einsatz werden skrupellose Konzerne und taubblinde Politiker weitere Nägel in die Särge unserer Kinder schlagen.

Gorleben wurde seit Jahrzehnten nicht nur erkundet sondern schon angefangen als Endlager auszubauen, obwohl schon nach den ersten Probebohrungen klar war, dass der Standort nicht geeignet ist. Und auch weitere Erkenntnisse wie das Vorkommen von Erdgas oder das lückenhafte Deckgebirge haben der Irrfahrt kein Ende gemacht.

Im Entwurf zum Endlagergesetz geht es wieder nicht um Sicherheit. Jedes Zugeständnis soll hingenommen werden um Gorleben im Rennen zu lassen.

Das werden wir nicht hinnehmen. Gorleben soll leben!

Finn Meyer, 10 Jahre aus Schmölau

40 Jahre StandortbenennungIch heiße Finn Meyer und bin 10 Jahre alt.
Ich bin gegen Atomkraft!
Und habe schon auf vielen Demos dagegen protestiert.
Zusammen mit meinen Eltern und meinen Großeltern.
Auch mein Urgroßvater Herman Meyer hat schon mit unserem uralten Trecker gegen Atommüll in Gorleben protestiert. Darauf bin ich stolz.

Elisabeth Gäde, 15 Jahre aus Prezelle

Hallo, ich bin Elisabeth Gäde und 15 Jahre alt. Ich komme auch von hier und zwar aus Prezelle. Die Generationen vor uns haben viel erreicht. Sie haben erreicht, dass in Gorleben kein nukleares Zentrum mit AKW und WAA entstanden ist. Sie haben erreicht, dass unser Widerstand kein lokales Problem geblieben ist. Sie haben Lügen aufgedeckt und die Castortransporte schön teuer gemacht. Der letzte Castortransport war 2011 – da war ich neun.

Seitdem ist es ruhiger geworden im Wendland. Aber der Kampf ist noch lange nicht vorbei!

Wolfgang Schukrafft ist tot

Wir sind traurig.
Er war schon beim Hannover Treck dabei.
wolfgang