Spiegel: Archäologen erforschen Achtzigerjahre

spiegel-Artikel AtillaJörg Römer hat für Spiegel online einen umfangreichen Artikel über das Ärchologische Forschungsprojekt zur Freien Republik Wendland veröffentlicht: „Ein Forscher gräbt ein Protestcamp nahe Gorleben aus – und berichtet Überraschendes aus dem Leben der Atomkraftgegner.“

Im Interview nimmt der Hamburger Archäologe Attila Dézsi Stellung zu seinem Projekt.

Kolborn bekommt „Marianne-Fritzen-Weg“

Marianne Fritzen Promenade (Hitzacker 2014)Die Einrichtung einer Marianne Fritzen Promenade vor einiger Zeit in Hitzacker scheiterte an der „königlich / niederländischen Übermacht“. Der geneigte Leser kann sich sicherlich daran erinnern….

Was damals nicht gelang, erreichten jetzt die Anwohner des Wohnsitzes von Marianne Fritzen in etwas abgewandelter Form: Ihnen gelang die Umbenennung der alten Straßenbezeichnung Waldwinkel 1-3 in Marianne-Fritzen-Weg 1-3.

Der Weg dorthin sei anhand eines Auszuges aus der EJZ vom April 2017 hier noch einmal skizziert:

„Die Straße Waldwinkel in Kolborn wird in dem Teil, in dem einst Marianne Fritzen lebte, in Marianne-Fritzen-Weg umbenannt. Beantragt hatten das die drei an diesem Straßenstück wohnenden Familien. Fritzen, die im März 2016 starb, habe ’so viele Menschen auf ganz unterschiedliche Art fasziniert und bewegt, dass wir dachten, dass es schön wäre, wenn es außer dem Grab noch eine andere Form der Erinnerung gäbe‘, schrieben sie in ihrem Antrag an die Stadt. 16 der insgesamt 24 Ratsmitglieder stimmten für den neuen Namen -es ist damit in Lüchow die erste Straße, die nach einer Frau benannt ist-, fünf enthielten sich und drei stimmten mit Nein.“

Sicherlich hätte Frau Marianne Fritzen dies vermutlich nicht gewollt, da sie ja zu Lebzeiten auch nicht alle Ehrungen angenommen hat, aber bei der Umbenennung seinerzeit in Hitzacker hat sie doch geschmunzelt. Und so wird sie vermutlich auch wieder schmunzeln. Besucher am Grab in unmittelbarer Nähe des Weges werden dies vielleicht mit einem Augenzwinkern erkennen.

Marianne-Fritzen-Weg (Kolborn, 2017)An dieser Stelle sei den Anliegern für ihren Einsatz und für ihr Engagement für die Umbenennung des Waldwinkels 1-3 in Marianne-Fritzen-Weg 1-3 gedankt. Aber auch der Stadt Lüchow, die in ungewöhnlich kurzer Zeit, dies fast unbürokratisch ermöglicht hat. Dies ist für eine Kommune nicht selbstverständlich, wie andere Beispiele zeigen.

Aber vielleicht ist dies ein Zeichen für die Zukunft bei neuen Straßenbenennungen auch an verdiente Frauen zu denken. Es gibt im Landkreis sicherlich auch noch andere verdienstvolle Mitbürgerinnen, die sich für die Allgemeinheit eingesetzt haben. Also, wer will, schaue sich das neue Straßenschild an.“ (Friedhard Puch)

Einweihungsfest des Straßenschildes, gemeinsam mit den Kindern von Marianne im Juli 2017

Filmprojekt „Gorleben 7“

Die „wendländische Filmkooperative“ startet ein neues Projekt: „Gorleben 7“. Es wird die Archäologische Erforschung der Freien Republik Wendland begleiten. Im Rahmen seines zweijährigen Promotionsstipendiums der Graduiertenschule Geisteswissenschaften der Universität Hamburg wird der Doktorand Attila Dézsi zwischen Oktober 2016 und Anfang 2018 die Hinterlassenschaften der Freien Republik Wendland archäologisch untersuchen.

„(…) der junge Archäologe Attila Dészi gräbt und gräbt und macht Zeitzeugenbefragungen der Bewohner der Freien Republik Wendland, die für 33 Tage bestand, bevor 1004 geräumt wurde. Anlegen könnten wir das Ganze auch als Science Fiction Film, eine Zeitreise. Denn: Weiss man, in welchem Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts Dészi gräbt, und was er alles ans Tageslicht befördern wird? Verblichene zerkratzte Filmrollen in verrosteten Dosen… Gürtelschnallen aus dem 18. Jahrhundert… einen eingestürzten geheimnisvollen Tunnel – der Anfang von Huckys Loch das dieser bis China graben wollte…“ (wendländische Filmkooperative)

Landessieg für Schülerprojekt

KreuzeSchüler und Schülerinnen des Fritz Reuter Gymnasium Dannenberg haben letztes Jahr im Archiv zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2017, der Körber Stiftung gearbeitet. Mit ihrer Arbeit „Von der Wittenberger Kirchentür zu den Gorlebener Kreuzen“ haben sie nun einen Landessieg eingefahren.

Beitragsnummer 20172000

„Von der Wittenberger Kirchentür zu den Gorlebener Kreuzen. Wie die Evangelische Kirche ihren Weg in die Welt fand“ von Isabel Blank-Aschauer, Moritz Wilfert, Hannah Brandt (Klasse 9, Fritz-Reuter-Gymnasium Dannenberg, Dannenberg)

In Dannenberg, dem Wohnort von Isabel Blank-Aschauer, Moritz Wilfert und Hannah Brandt, treffen sich seit 25 Jahren Woche für Woche bei den Gorlebener Holzkreuzen Menschen zum Gebet. Sie halten Andachten ab, singen Lieder und mahnen einen anderen Umgang mit Atommüll und Umwelt an. Die Holzkreuze stehen dem geplanten Atomendlager genau gegenüber. Sie tragen somit nicht nur eine religiöse Botschaft, sondern auch eine politische. Die drei Schüler überraschte dieses Zusammentreffen von Politik und Religion. Um die Gründe hierfür zu ermitteln, führten sie bei ihrer weiteren Recherche zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen der umliegenden Gemeinden.

Die Mail von Hannah und Moritz an das Gorleben Archiv:

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir möchten uns ganz herzlich bei Ihnen für Ihre Hilfe und Unterstützung bezüglich unserer Arbeit im Rahmen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2017 bedanken.

Dank Ihrer Zeit und Offenheit ist es uns gelungen, eine sehr umfangreiche, aber dennoch interessante Arbeit mit dem Titel „Von der Wittenberger Kirchentür zu den Gorlebener Kreuzen“ einzureichen. Wir haben heute das Ergebnis erhalten und freuen uns sehr über einen Landessieg.

Wir wissen es sehr zu schätzen, dass Sie sich Zeit genommen und unsere Fragen ausführlich beantwortet haben.Vielen Dank auch für die Materialien, die Sie uns zur Verfügung gestellt haben.

Für uns ist der Wettbewerb noch nicht vorbei, da wir als Landessieger in die zweite Runde auf Bundesebene gehen. Bei der Vielzahl an Teilnehmern erwarten wir jedoch keinen Bundessieg und sind mit unserem jetzigen Ergebnis äußerst zufrieden. Die Bundessieger werden erst im Herbst bekannt gegeben.

Mit freundlichen Grüßen, Hannah & Moritz

WDR 5 Beitrag: 40 Jahre Widerstand in Gorleben

Die Journalistin Katharina Nickoleit recherchierte im Archiv und konnte von uns mit weiteren Kontakten versorgt werden. Am 11. August wurde der WDR 5 Hör-Beitrag „40 Jahre Widerstand in Gorleben“ gesendet.

„Bis heute ist in Gorleben nicht eine Tonne des noch Millionen Jahre strahlenden Mülls unter die Erde gebracht worden. Und das liegt einzig an dem erbitterten Widerstand, den die Wendländer seit 40 Jahren leisten. (…) Katharina Nickoleit ist für uns ins Wendland gereist und hat mit ganz unterschiedlichen Menschen gesprochen, die sich quer stellen. Und sie hat erfahren, wie der Widerstand das Land und seine Menschen verändert hat.“

wdr5

Hörbeitrag: die Österreicher „Flaneur und Distel“ im Archiv

Die Österreicher Hartmut Schnedl und Daniela Lipka sind Flaneur und Distel. Sie begeben sich auf wilde Streifzüge durch die Landschaft vor der Haustür. Sie entdecken Aufregendes, beachten Unscheinbares und erzählen Geschichten über Stadtwildnis und Landstriche, Tiere und Ruinen, Pflanzen und Flüsse und über das Niemandsland zwischen Ortsrand und Einkaufszentren. Ihre Fundstücke präsentieren sie u.a. einmal pro Monat in „Radio von draußen“ im freien österreichischen „Radio FRO – Das Freie Radio in Linz“.

Das Duo war unter anderem zu Besuch im Archiv, entstanden ist im Juli eine 60-minütige Sendung:

„Wandernde Lamas, rollender Atommüll und der größte Rolling-Stones-Fan der Welt
(…) Birgit Huneke vom Gorleben-Archiv in Lüchow erinnert sich an den kreativen Widerstand von früher und erzählt, welche Rolle Torten auf Bahngleisen und falsche Hochzeitsgesellschaften dabei gespielt haben.“

FRO Freies Radio Linz

40 Jahre Standortbenennung Gorleben

Bildschirmfoto 2017-05-30 um 21.24.03Am 22. Februar 1977 wurde vom damaligen niedersächsische Ministerpräsidenten Ernst Albrecht Gorleben als Standort eines nuklearen Entsorgungszentrums benannt. Dieses umfasste ein Zwischen- und Endlager für Atommüll sowie eine Wiederaufbereitungsanlage.

Daraufhin gründete sich die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg und es folgte eine Vielzahl unterschiedlichster Aktionen des Widerstands. Aufgrund des vielfältigen Widerstands musste Albrecht schnell erkennen, dass eine Wiederaufbereitungsanlage in Lüchow-Dannenberg politisch nicht durchsetzbar war.

Diese Buchstabenbilder entstanden im Jahre 1980 auf der besetzten Bohrstelle 1004.

(Das Gesicht, das auf diesen Stelltafeln häufiger zu sehen ist, gehört dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht.
DWK bedeutet Deutsche Gesellschaft zur Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen.)

Die Buchstabenbilder sind während der KLP in Reitze zu sehen.

Für Puzzel-Freunde

Puzzel1Für Puzzel-Freunde: Die Freie Republik Freies Wendland wurde am 3. Mai 1980 ausgerufen. Das Hüttendorf entstand im Bereich der Tiefbohrstelle 1004 auf der Waldbrandfläche bei Gorleben und wurde am 4. Juni durch Polizei und Bundesgrenzschutz geräumt.

  • 1004 Puzzelteile für 30,- Euro (plus Versandkosten)

Wer gern ein Puzzle möchte: Kontakt

3sat nano: Kurz-Zeitreise „Republik Freies Wendland“

atilla 3satAtomkraftgegner bauen 1980 bei Gorleben ein Hüttendorf, sie rufen eine eigene Republik aus. Nicht lange her, doch sind die Überreste bereits ein Thema für die Archäologie.

„Es ist ein wichtiger Ort der Demokratie-Geschichte der Bundesrepublik“, erklärt der Archäologe Attila Dézsi, der seine Doktorarbeit darüber schreiben will. Er bekam dafür ein zweijähriges Stipendium der Universität Hamburg. Der Ort sei bedeutsam auch für die Wende in der Energiepolitik, betonte Dézsi. „Das ist kulturelles Erbe der Menschen.“ Die „zeitgeschichtliche Archäologie“ gebe es hierzulande erst seit zehn Jahren.

zum Beitrag auf 3sat.de: ArtikelVideo (3min)

Gorleben Achiv e.V. auf der Kulturellen Landpartie

Bildschirmfoto-2017-04-12-um-17.00.23Während der Kulturellen Landpartie vom 25. Mai – 5. Juni ist das Gorleben Archiv an einigen Veranstaltungsorten mit Informationen oder Ausstellungsstücken wie z.B. in Sipnitz, Neu Darchau, Bülitz und Küsten vertreten.

Die Räumlichkeiten des Archivs sind am Montag 29.5., Dienstag 30.5. und Samstag 3.6. von 11-15 Uhr für Besucher geöffnet.

Am Donnerstag den 1.6. laden wir zu einer Veranstaltung in Klein Witzeetze ein. Von 16-18 Uhr werden Zeitzeugen aus 40 Jahren über den Protest um die Atomanlagen in Gorleben berichten. (mehr Informationen zum politischen KLP Punkt Klein Witzeetze Nr. 6 unter http://kw6.info/)

Am Freitag den 2.6. finden Sie uns auf dem „Gorleben Tag“ an den Anlagen.