Ausstellung als Kulisse für umstrittene Informationsveranstaltung

Das Gorleben Archiv kritisiert die Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum Hannover im Rahmen des Kooperationsprojekts zum Gorleben-Treck

Ausstellung als Kulisse für umstrittene Informationsveranstaltung

Im Zusammenhang mit dem Kooperationsprojekt zum 40. Jahrestag des Gorleben-Trecks hat das Gorleben Archiv unter anderem mit dem Historischen Museum Hannover gut zusammengearbeitet. Für die Ausstellung „Trecker in Hannover – Gorleben und die Bewegung zum Atomausstieg“ haben wir das Museum bei den Recherchen intensiv unterstützt, Exponate zur Verfügung gestellt und Kontakte zu Zeitzeugen vermittelt. Doch ausgerechnet bei der Planung einer begleitenden Informationsveranstaltung zur Endlagersuche, für die wir uns als Gorleben Archiv eingesetzt hatten, war unsere Mitwirkung dann offensichtlich nicht mehr erwünscht. Die Museumsleitung befürchtete wohl, das Ganze könnte ‚zu politisch’ werden. Ein für uns sehr enttäuschender Vorgang, den wir nicht unkommentiert lassen wollen.

Auf einer Tagung zur historischen Bedeutung des Gorleben-Trecks am 21./22. Juni, die ebenfalls zum Begleitprogramm der Ausstellung gehörte, gab Gabi Haas für das Gorleben Archiv dazu eine Stellungnahme ab:

„Wir als Gorleben Archiv haben das Ausstellungsprojekt u.a. auch deshalb mit initiiert und unterstützt, weil wir darin eine Chance gesehen haben, die noch ungelöste Endlager-Problematik wieder mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Denn die Gorleben-Geschichte ist ja noch nicht abgeschlossen, sondern im Gegenteil: Wir befinden uns mitten in einem konfliktträchtigen politischen Prozess. So wird das neue Endlagersuchgesetz von den Initiativen des wendländischen Widerstands wie auch der bundesweiten Anti-AKW-Bewegung scharf kritisiert. Befürchtet wird, dass das Verfahren eine Art Alibi-Charakter hat und am Ende eben nicht zu dem am besten geeigneten Standort führt, sondern doch wieder bei Gorleben landet.

Als Kooperationspartner hatten wir der Museumsleitung deshalb vorgeschlagen, im Rahmen des Begleitprogramms zusammen mit der Bürgerinitiative eine Info-Veranstaltung mit Podiumsdiskussion zum Standortsuchgesetz und der neuen Endlagersuche zu organisieren. Das wurde aber abgelehnt mit der Begründung, das Museum sei gehalten, so kurz vor der Europawahl keine Veranstaltungen mit einem aktuellen politischen Diskurs durchzuführen. Auch danach sei leider kein Veranstaltungstermin mehr frei. Umso überraschter waren wir, als uns am Nachmittag des 14. Juni – einem Freitag – eine Einladung zu einer entsprechenden Info-Veranstaltung schon am darauf folgenden Montag erreichte. Diese Veranstaltung fand ohne uns statt. Organisiert wurde sie dagegen vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) – einer Behörde, deren Rolle als Verfahrensträger von der wendländischen Protestbewegung sehr kritisch gesehen wird.

Als Gorleben Archiv hätten wir gerne eine kontroverse Veranstaltung durchgeführt, bei der beide Seiten – die staatlichen Verfahrensträger wie auch die Kritiker des Verfahrens – auf dem Podium gesessen und Gelegenheit zur Diskussion gehabt hätten. Stattdessen hat das BfE diese Veranstaltung nun alleine gemacht, dabei die von uns erst ermöglichte Ausstellung über 40 Jahre Widerstandsgeschichte als Kulisse genutzt und zur Legitimierung des umstrittenen Suchverfahrens instrumentalisiert. Wir haben im Wendland für die Ausstellung in Hannover geworben und beispielsweise auch Zeitzeugen und Akteure der Protestbewegung um Exponate gebeten. Zu Recht werden wir von diesen Leuten jetzt gefragt, wie eine so einseitige Info-Veranstaltung möglich war und warum wir davon nichts gewusst haben.

Vor allem der Umgang des Museums mit uns – dem Gorleben Archiv als Kooperationspartner – ist hier aus unserer Sicht unverständlich, nicht akzeptabel und widerspricht dem Charakter des gesamten Projekts. Wir bedauern das und ziehen daraus den Schluss, in Zukunft bei ähnlichen Projekten die Bedingungen einer Kooperation genauer zu prüfen und abzuklären.“